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Von Steve Ellis, Vizepräsident, Bereich Haftpflicht

Das Haftungsrisiko wird weniger durch die Schadenhäufigkeit als vielmehr durch die Schadenhöhe bestimmt. Branchenweit verursacht eine relativ geringe Anzahl von Schäden mit hoher Auswirkung einen überproportionalen Anteil am Gesamtschadenvolumen, was auf einen grundlegenden Wandel in der Verwaltung von Kfz-Haftpflichtversicherungen hindeutet.

Im Mittelpunkt dieses Wandels steht ein komplexeres und aggressiveres Prozessumfeld. Faktoren wie sich weiterentwickelnde Strategien der Kläger, eine sich wandelnde Einstellung der Geschworenen, die Wahl des Gerichtsstands und eine frühere Einbeziehung von Rechtsanwälten wirken zusammen und führen zu höheren Kosten, längeren Abwicklungszeiten bei Rechtsstreitigkeiten und einer erhöhten Volatilität.

Rechtsstreitigkeiten verändern die Lage

Mehrere miteinander verknüpfte Trends verändern die Ergebnisse im Bereich der Haftung:

„Nuclear Verdicts“ und soziale Inflation
Hohe Schadenersatzsummen, die von Geschworenengerichten zugesprochen werden, beeinflussen weiterhin die allgemeine Schadenlandschaft. Diese Urteile werden oft durch eine zunehmende Skepsis gegenüber Unternehmen, gestiegene Erwartungen an die Rechenschaftspflicht und die wachsende Rolle der Prozessfinanzierung durch Dritte begünstigt. Ihre Auswirkungen reichen über einzelne Fälle hinaus, erhöhen die Erwartungen an Vergleichszahlungen und führen zu größerer Unsicherheit bei der Rückstellungsbildung und Prognoseerstellung.

Die Schadensschwere steigt trotz stabiler Schadenhäufigkeit
Während sich die Zahl der Rechtsstreitigkeiten in einigen Bereichen stabilisiert hat, steigen die Kosten für strittige Schadensfälle weiter an. Unternehmen sehen sich insgesamt zwar mit weniger Klagen konfrontiert, doch die Fälle, die tatsächlich vor Gericht kommen, sind komplexer, ziehen sich länger hin und führen zu deutlich höheren Auszahlungen.

Die Wahl des Gerichtsstands gewinnt zunehmend an strategischer Bedeutung
Klägeranwälte wählen immer bewusster Gerichtsstände aus, die für höhere Urteilssummen und günstigere verfahrensrechtliche Rahmenbedingungen bekannt sind. Diese Risikokonzentration auf bestimmte Gerichtsstände erhöht die Komplexität zusätzlich, da die Ergebnisse je nach Standort erheblich variieren können.

Rechtsanwälte werden immer früher einbezogen
Die rechtliche Vertretung wird immer früher in den Schadenbearbeitungsprozess einbezogen, oft bereits in den allerersten Phasen eines Schadenfalls. Diese frühzeitige Einbeziehung kann die Möglichkeiten für eine zügige Untersuchung und Lösung einschränken und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Schadenfälle zu langwierigen und kostspieligen Rechtsstreitigkeiten entwickeln.

Vom Fallmanagement zur Risikostrategie

Diese Trends verdeutlichen eine umfassendere Realität: Externe Faktoren gehören mittlerweile zu den einflussreichsten Triebkräften für den Ausgang von Haftungsfällen. Infolgedessen reichen traditionelle Ansätze im Schadenmanagement, die sich auf Effizienz, schnelle Erledigung und Kostenkontrolle konzentrieren, allein nicht mehr aus.

Unternehmen müssen einen strategischeren Ansatz verfolgen, bei dem frühzeitige Erkenntnisse, fundierte Entscheidungsfindung und proaktives Handeln im Vordergrund stehen.

Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend

Es ist von entscheidender Bedeutung, risikoreiche Schadensfälle so früh wie möglich zu erkennen. Dank der Fortschritte in den Bereichen Analytik, prädiktive Modellierung und datengestützte Erkenntnisse sind Unternehmen in der Lage, das potenzielle Ausmaß sowie das Prozessrisiko auf der Ebene einzelner Schadensfälle besser einzuschätzen.

Dank dieser Funktion können sich die Teams auf die relativ kleine Gruppe von Schadensfällen konzentrieren, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation am größten ist, anstatt für alle Schadensfälle einheitliche Prozesse anzuwenden.

Von der Kostenkontrolle bis zur Ergebnisoptimierung

Bei Schadensfällen mit hohem Schadensvolumen geht es weniger darum, die unmittelbaren Kosten zu minimieren, als vielmehr darum, das bestmögliche langfristige Ergebnis zu erzielen. Dies erfordert eine Abkehr von standardisierten Arbeitsabläufen hin zu maßgeschneiderten Strategien, zu denen unter anderem folgende Maßnahmen gehören können:

  • Tiefgreifendere, gründlichere Untersuchungen
  • Verstärkte Aufsicht und Einbindung der Führungskräfte
  • Zusammenarbeit mit Fachleuten
  • Strukturierte funktionsübergreifende Zusammenarbeit

In diesen Fällen können Entscheidungen, die zu Beginn des Schadenbearbeitungsprozesses getroffen werden, erhebliche Auswirkungen auf das endgültige Ergebnis haben.

Zusammenarbeit stärkt die Entscheidungsfindung

Ein effektives Schadenmanagement hängt zunehmend von der funktionsübergreifenden Abstimmung ab. Durch die Bündelung des Fachwissens aus den Bereichen Schadenbearbeitung, Recht, Risikomanagement und von externen Partnern entsteht eine umfassendere Perspektive, die es Unternehmen ermöglicht, komplexe Prozessdynamiken mit größerer Zuversicht zu meistern.

Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit Strafverteidigern, die ihre Kompetenz in besonders schwierigen Fällen unter Beweis gestellt haben. Einheitliche Strategien und eine klare Kommunikation innerhalb dieser Partnerschaften können die Ergebnisse verbessern und gleichzeitig unnötige Schwankungen reduzieren.

Anpassung an ein neues Haftungsumfeld

Die Faktoren, die das Haftungsrisiko neu gestalten – darunter die soziale Inflation, die Prozessfinanzierung und die sich wandelnde Dynamik in Geschworenengerichten –, sind keine isolierten Trends. Es handelt sich um systemische Veränderungen, die sich branchen- und rechtsraumübergreifend auf die Ergebnisse auswirken.

Organisationen, die effektiv reagieren, sind solche, die:

  • Bei risikoreichen Schadensfällen sollten eine frühzeitige Einbindung und eine rasche Eskalation Priorität haben
  • Daten und Analysen in die Entscheidungsfindung einbeziehen
  • Entwicklung von Standort-orientierten Prozessstrategien
  • Eine enge Zusammenarbeit zwischen internen und externen Akteuren fördern

Letztendlich erfordert das Management von Haftungsrisiken heutzutage einen Umdenkprozess. Es reicht nicht mehr aus, erst auf bereits entstandene Schadensfälle zu reagieren. Der Erfolg hängt davon ab, dass man vorausschauend erkennt, wo sich Risiken am ehesten konzentrieren, frühzeitig handelt und während des gesamten Schadensverlaufs diszipliniertes, strategisches Denken anwendet.

Indem sie sich an diese sich wandelnden Rahmenbedingungen anpassen, können Unternehmen Schwankungen besser bewältigen, die Gesamtrisikokosten kontrollieren und sich in einem zunehmend komplexen Haftungsumfeld so positionieren, dass sie stärkere und besser vorhersehbare Ergebnisse erzielen.