6. September 2023
Die Zahl der Produktrückrufe in Europa stieg im zweiten Quartal 2023 um 7,8 % und verzeichnete damit das vierte Quartal in Folge ein Gesamtwachstum in den Bereichen Automobil, Lebensmittel und Getränke, Pharmazeutika, Medizinprodukte und Konsumgüter. Laut der neuesten Ausgabe des „European Product Recall Index 2023“ von Sedgwick stellen die 3.141 Rückrufe im zweiten Quartal 2023 den höchsten Stand an Rückrufaktivitäten dar, der seit mehr als zehn Jahren in einem einzigen Quartal verzeichnet wurde.
Der „Recall Index“-Bericht enthält eine Analyse der Rückrufdaten aus dem zweiten Quartal 2023 für fünf wichtige europäische Branchen. Darüber hinaus bietet der Bericht branchenführende Einblicke und Prognosen unserer Experten für Markenschutz sowie unserer strategischen Partner, um den Akteuren der Branche dabei zu helfen, sich im weiteren Verlauf des Jahres 2023 und darüber hinaus in den neuesten Entwicklungen im Bereich Produktsicherheit und Regulierung zurechtzufinden.
Rückblick auf die Trends bei Produktrückrufen im zweiten Quartal
Die rekordhohe Zahl der Rückrufe im zweiten Quartal 2023 wurde von drei Branchen getragen: dem Konsumgüterbereich, in dem die Rückrufe um 31,8 % zunahmen; der Automobilbranche, in der die Rückrufe um 12,6 % stiegen; sowie dem Lebensmittel- und Getränkesektor, in dem die Rückrufe um 2,3 % zunahmen. Sowohl im Pharmasektor als auch im Bereich der Medizinprodukte gingen die Rückrufe um 14,0 % bzw. 4,3 % zurück. Im zweiten Quartal richteten die Gesetzgeber in der gesamten EU und im Vereinigten Königreich ihr Augenmerk auf künstliche Intelligenz (KI), da diese neue Technologie in neuen und bestehenden Produkten zunehmend Verbreitung fand. Wie wir bereits in unserem jüngsten Indexbericht zum ersten Quartal feststellten, legten die Regulierungsbehörden weiterhin den Schwerpunkt auf den Umweltschutz und den EU-Green Deal und ergriffen Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft, zur Abfallreduzierung und zur Stärkung der Nachhaltigkeit. Ein weiterer Trend, den wir beobachten, ist das jüngste Vorpreschen von US-amerikanischen und europäischen Regulierungsbehörden zum Schutz der Verbrauchersicherheit vor skrupellosen Praktiken auf Sekundärmärkten, was zu einer erhöhten Verantwortung für den Einzelhandel führen könnte.
Wie sich die Rückrufe im 2. Quartal 2023 im Vergleich zum Vorquartal darstellten
- Die Zahl der Rückrufaktionenin dereuropäischenAutomobilbranchestieg im zweiten Quartal um 12,6 % auf 214, ausgehend von 190 im ersten Quartal 2023. Verletzungen waren mit 146 Fällen die häufigste Ursache, gefolgt von Brandgefahr mit 43 Fällen. Personenkraftwagen waren mit 151 Fällen der am häufigsten von Rückrufen betroffene Fahrzeugtyp. Das Vereinigte Königreich blieb mit 93 Rückrufmeldungen das Land mit den meisten Rückrufmeldungen, was einen leichten Anstieg gegenüber den 83 Meldungen im ersten Quartal 2023 darstellt.
- ImLebensmittel- und Getränkesektorstiegen die Rückrufe in Europa gegenüber dem ersten Quartal 2023 um 2,3 %, wobei im zweiten Quartal 1.181 Vorfälle verzeichnet wurden. Der häufigste Grund für Rückrufe in diesem Sektor war „Verunreinigung (außer bakterieller Art)“ mit 456 Vorfällen, was 38,6 % aller Vorfälle im Lebensmittel- und Getränkesektor entspricht. Die häufigsten bedenklichen Verunreinigungen waren Chlorpyrifos und Aflatoxine.
- Die Zahlder Arzneimittelrückrufein Europa ging im zweiten Quartal 2023 um 14,0 % auf 74 zurück, nachdem sie im ersten Quartal noch bei 86 gelegen hatte. Sicherheitsrisiken waren im zweiten Quartal mit 30 Vorfällen der Hauptgrund für Rückrufe. Frankreich reichte zum neunten Mal in Folge die meisten Rückrufmeldungen ein und gab im zweiten Quartal 2023 insgesamt 19 Meldungen heraus.
- Die Zahl der Rückrufe im europäischenMedizinproduktesektorging um 4,3 % von 790 im ersten Quartal 2023 auf 756 im zweiten Quartal zurück. Die häufigste Ursache für Rückrufe waren Produktfehler mit 102 Fällen, gefolgt von Softwareproblemen mit 100 Fällen. Deutschland erließ im zweiten Quartal mit 199 die meisten Rückrufmeldungen.
- Die Rückrufevon Unterhaltungselektronikstiegen im zweiten Quartal 2023 gegenüber dem Vorquartal deutlich an (+93,1 %) und erreichten damit den höchsten Stand in diesem Sektor seit zehn Jahren. Stromschläge stellten mit 73 Vorfällen das häufigste Risiko dar. Lichterketten waren mit 27 Vorfällen das am häufigsten zurückgerufene Produkt. Schweden gab im zweiten Quartal 2023 mit 60 Rückrufmeldungen die meisten Rückrufe für Elektronikprodukte heraus, was einen dramatischen Anstieg gegenüber den drei Meldungen im ersten Quartal darstellt.
- Die Zahlder Rückrufe von Spielzeugin Europa ging im zweiten Quartal 2023 um 19,5 % auf 120 Fälle zurück, nachdem im ersten Quartal noch 149 Fälle verzeichnet worden waren. Chemische Risiken waren mit 49 Fällen der häufigste Grund für Rückrufe von Spielzeug. Mit 28 Fällen waren Plastikpuppen im zweiten Quartal 2023 zum vierten Mal in Folge die am häufigsten zurückgerufene Spielzeugart.
- Die Zahl der Rückrufe von Bekleidungin Europa stieg vom ersten Quartal um 51,9 % auf 117 Rückrufe im zweiten Quartal 2023. Dies ist der höchste Quartalswert der letzten fünf Jahre und das einzige Quartal in diesem Zeitraum mit mehr als 100 Rückrufen. Kinderbekleidung war mit 77 Fällen im zweiten Quartal die am häufigsten zurückgerufene Warengruppe.
Was uns in der zweiten Jahreshälfte 2023 erwartet
Künstliche Intelligenz wird für Gesetzgeber in Europa und weltweit weiterhin eine hohe Priorität haben, da sie in allen Branchen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sowohl die EU als auch das Vereinigte Königreich treiben Vorschläge zur Regulierung von KI voran, wobei die beiden Regierungen unterschiedliche Ansätze verfolgen. Das KI-Gesetz der EU ist wegweisend für die Regulierung von KI und wird sich auf alle Branchen auswirken; andere branchenspezifische Leitlinien für Medizinprodukte und Verbraucherprodukte könnten jedoch zu Unklarheiten darüber führen, welche KI-Richtlinien unter welchen Umständen gelten.
Wie wir in der ersten Hälfte des Jahres 2023 gesehen haben, werden die Aufsichtsbehörden in der EU und im Vereinigten Königreich weiterhin gleichzeitig ähnliche Produktsicherheitsprobleme angehen, wenn auch mit unterschiedlichen Regulierungsrahmen. Dies könnte für Unternehmen, die auf beiden Märkten tätig sind, zusätzliche Verwirrung stiften. Angesichts eines zunehmend unübersichtlichen regulatorischen Umfelds und der anhaltenden Gefahr einer genauen Überprüfung durch die Verbraucher sollten Unternehmen jede Gelegenheit nutzen, um ihre bestehenden Rückruf- und Krisenreaktionspläne zu aktualisieren und zu üben. Der „European Recall Index“ wird vierteljährlich von den Markenschutz-Experten von Sedgwick veröffentlicht. Er ist der einzige Bericht, der Rückrufdaten aus dem Vereinigten Königreich und der EU zusammenfasst und nachverfolgt, um Akteuren der Branche dabei zu helfen, sich im regulatorischen Umfeld, bei Produktrückrufen und anderen Herausforderungen auf dem Markt zurechtzufinden.
Um eine Kopie des aktuellen „Recall Index“-Berichts herunterzuladen,klicken Sie bitte hier.
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