Autoren

Von Parisa Kheradmand, Schiffsgutachterin, Großbritannien

Die Vorfreude auf die Weihnachtszeit weckt in der Regel große Begeisterung darauf, mit Freunden und Familie zu feiern und sich über besondere Geschenke zu freuen. Leider kommt es in dieser Jahreszeit manchmal zu Problemen im Frachtverkehr, die verhindern können, dass der Weihnachtszauber pünktlich eintrifft. In diesem Blogbeitrag werde ich häufige saisonale Frachtrisiken und Probleme beleuchten und Empfehlungen geben, welche Maßnahmen Versender ergreifen können, um ihre Waren und finanziellen Interessen zu schützen.

Es ist die Zeit der Diebstähle

Gegen Ende jedes Kalenderjahres verzeichnen wir in der Regel einen Anstieg der Schadensmeldungen wegen Ladungsdiebstahls. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens steht zu dieser Jahreszeit einfach mehr Fracht zur Verfügung, da die Verkäufer bestrebt sind, ihre Waren rechtzeitig vor dem Weihnachtseinkaufsansturm an Geschäfte und Kunden zu liefern. Zweitens stehen viele Menschen im Vorfeld der Feiertage unter zusätzlichem finanziellen Druck und sind auf eine rechtzeitige Auszahlung angewiesen, um ihre Geschenke und Festessen finanzieren zu können. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage und der Tatsache, dass Länder auf der ganzen Welt (einschließlich Großbritannien) eine Krise der Lebenshaltungskosten durchleben, ist dieser Druck noch größer und könnte in diesem Jahr zu einer höheren Rate illegaler Aktivitäten führen.   

Ein dritter Faktor ist das raue Winterwetter. Die daraus resultierenden Überschwemmungen in Lagerhallen können zu Versandverzögerungen führen und die gelagerte Fracht für Diebstahl anfällig machen. Zudem können Glatteis und andere gefährliche Straßenverhältnisse dazu führen, dass Lieferfahrer auf ihrer Route unerwartete Stopps einlegen müssen, wodurch sie einem höheren Einbruchsrisiko ausgesetzt sind. Im Vereinigten Königreich und anderswo in Europa gab es alarmierendeBerichteüber Fahrer, denen in ihren Fahrerkabinen „Gas verabreicht“ wurde, damit sie schlafen und nicht mitbekommen, wie ihre Ladung geplündert wird.

Die Liste der Unartigen

Schadensfälle durch Frachtdiebstahl umfassen sowohl Gelegenheitsdelikte – wie beispielsweise Passanten, die kleine Gegenstände aus Frachtcontainern entwenden – als auch organisierte Kriminalität, bei der es häufig um große Mengen und/oder hochwertige Waren geht. In den komplexen Lieferketten von heute werden Waren selten von einem einzigen Transportunternehmen von A nach B befördert; in den meisten Fällen vergeben Transportunternehmen Teile der Strecke an andere Transportunternehmen weiter – und zwar, ohne dass die Versender davon überhaupt wissen. Diese zusätzlichen Übergaben an Unternehmen, die möglicherweise nicht gründlich überprüft wurden, schaffen weitere Ebenen des Frachtrisikos, mehr Gelegenheiten für Diebstahl und eine größere Komplexität bei der Feststellung der Haftung für einen Verlust. 

Diebe werden immer geschickter darin, Schwachstellen auszunutzen. Bei einem Großteil der von uns untersuchten Fälle von Frachtdiebstahl, an denen die organisierte Kriminalität beteiligt ist, werden die Täter irgendwo entlang der Lieferkette von „Insidern“ unterstützt. Oft handelt es sich dabei um ehemalige Mitarbeiter von Speditionen und Lagerbetrieben, die mit den Sicherheitsvorschriften ihrer früheren Arbeitgeber vertraut sind.

Es läuten Glocken 

Die am Schadenregulierungsverfahren beteiligten Parteien können proaktive Maßnahmen ergreifen, um sich vor Frachtverlusten zu schützen. Ladungsinhaber haben die Möglichkeit, in ihren Versandanweisungen festzulegen, dass die Fracht während des Transports nicht an Subunternehmer weitervergeben werden darf. Dies kann das Diebstahlrisiko verringern, aber auch zu Versandverzögerungen führen; Ladungsinhaber sollten diese beiden Aspekte abwägen und entscheiden, was für sie höhere Priorität hat. In jedem Fall wird den Versendern empfohlen, das Kleingedruckte in allen Frachtverträgen sorgfältig zu lesen. Darüber hinaus müssen sie sicherstellen, dass sie für den vollen Wert der Sendungen ausreichend versichert sind (da einige Beförderungsbedingungen Gewichtsgrenzen für die Haftung vorsehen), und sich mit den Klauseln ihrer jeweiligen Frachtversicherungspolicen vertraut machen.

Spediteure können zudem zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, um Diebstähle zu verhindern. Eine solche Maßnahme ist die Verwendung von schwer zu knackenden Plomben zur Sicherung von Containern. Bedauerlicherweise haben einige Diebe gelernt, diese Plomben mithilfe von 3D-Druckern nachzubilden, um ihre illegalen Handlungen zu verschleiern. Andere haben herausgefunden, wie sie Containertüren entfernen und nach dem Diebstahl der darin befindlichen Waren wieder anbringen können; neue Schrauben an einem Container sind oft ein verräterisches Zeichen für Manipulationen. Ein weiterer Ansatz, der zunehmend an Beliebtheit gewinnt, ist die Installation von Überwachungskameras an Lkw-Anhängern, um Diebe abzuschrecken und die Strafverfolgungsbehörden bei deren Identifizierung zu unterstützen. Diese Technologie kann jedoch kostspielig sein und zu den ohnehin schon steigenden Frachtkosten beitragen.

Für Frachtversicherer bedeuten die steigenden Diebstahlzahlen, dass sie verpflichtet sind, mehr Schadensfälle zu regulieren. Um die Kosten im Griff zu behalten, arbeiten viele Versicherungsgesellschaften mit Experten für die Schadensregulierung, Begutachtung und Untersuchung im See- und Transportwesen zusammen, um eine korrekte Auslegung der Policen und eine genaue Bewertung der Schäden zu gewährleisten. 

Sollte das Team von Sedgwick mit über 200 Spezialisten für Seeverkehr und Transport weltweit Ihrem Unternehmen behilflich sein können,nehmen Sie bitteKontakt mit uns auf.

>Erfahren Sie mehr– entdecken Sie unsere Lösungen für die Schifffahrt und den Transport für alle Fälle – von kostengünstigen/häufigen Schadensfällen bis hin zu großen und komplexen Schäden