Schadensfälle im Bereich Maschinenversicherung bewegen sich an der Schnittstelle zwischen technischer Komplexität und politischer Auslegung. Von Anlagen- und Maschinenausfällen bis hin zu elektrischen Störungen – zu verstehen, wie diese Schadensfälle bewertet werden und wo häufig Missverständnisse auftreten, ist für Versicherer, Makler und Unternehmen gleichermaßen von entscheidender Bedeutung.

Technische Angaben verstehen

Schadensfälle im Bereich Technik betreffen in der Regel Anlagen, Ausrüstung und Maschinen sowie Bau- und Tragwerkselemente. Diese Vermögenswerte sind oft unverzichtbar für den Geschäftsbetrieb, sodass ein physischer Verlust oder eine Beschädigung erhebliche finanzielle und betriebliche Auswirkungen haben kann.

Der Versicherungsschutz für diese Risiken kann sich auf verschiedene Versicherungsarten erstrecken, darunter:

  • Richtlinien für das Business-Paket
  • Industrielle Sonderrisiken (ISR)
  • Versicherung für einzelne Maschinen oder Pannenhilfe

Schadensfälle können durch eine Vielzahl von Ereignissen verursacht werden, wie zum Beispiel:

  • Feuer, Überschwemmung, Diebstahl oder Unfallschäden
  • Mechanischer oder elektrischer Defekt
  • Haftungsrisiken gegenüber Dritten

Im Mittelpunkt steht eine weit gefasste Definition des Begriffs „Maschinen“ – die sich auf alle Geräte bezieht, die Energie erzeugen, steuern oder übertragen –, was verdeutlicht, wie vielfältig die Risiken im Ingenieurwesen sein können.

Warum Definitionen wichtig sind

Einer der wichtigsten Aspekte bei Schadensfällen im Bereich Maschinenversicherung ist die genaue Auslegung des Wortlauts der Police. So umfasst beispielsweise der Begriff „Maschine“ in manchen Policen nicht nur die Kernausrüstung oder Anlage, sondern auch miteinander verbundene elektronische Steuerungssysteme, die in der Regel aus einer Form von Computern bestehen. In anderen Policen kann der Begriff „elektronische Ausrüstung“ bewusst als von „Maschine“ getrennt definiert werden und wird manchmal als Datenverarbeitungssysteme und zugehörige Medien beschrieben. Die Unterscheidung zwischen „Maschine“ und „elektronischer Ausrüstung“ kann – je nach Definition in der Police – Auswirkungen auf den Versicherungsschutz oder Ausschlüsse haben.

Gängige Vorurteile hinterfragen

Missverständnisse hinsichtlich der Grundsätze der Ingenieurversicherung können oft zu unnötigen Streitigkeiten führen. Die Aufklärung dieser Mythen ist unerlässlich, um die Genauigkeit der Schadensabwicklung und die Schadensbilanz zu verbessern.

  1. Blitzschlag vs. Geräteausfall

Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass alle nach einem Gewitter festgestellten Schäden durch Blitzeinschläge verursacht werden. Statistisch gesehen erleben die meisten von uns bei den meisten Gewittern, die wir im Laufe unseres Lebens erleben, keine Schäden an Elektrogeräten und elektronischen Geräten. Diese Erfahrung steht im Einklang mit der Tatsache, dass Blitze im Allgemeinen bestimmte Eigenschaften aufweisen, wie beispielsweise eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der Blitz in den höchsten Punkt über dem Boden einschlägt. Diese spezifische Eigenschaft bildet die Grundlage für die meisten Blitzableiter an Gebäuden, die den Ort des Blitzeinschlags häufig in die Umgebung auf einen sicheren Punkt lenken und dort begrenzen.

Übrigens widerlegt diese Eigenschaft des Blitzes die Redensart „Ein Blitz schlägt nie zweimal an derselben Stelle ein“. Tatsächlich werden viele Ausfälle von Elektromotoren und Kältemittelkompressoren durch Probleme mit elektrischen Wicklungen oder verschlissene mechanische Lager verursacht; allerdings könnte eine Störung der Stromversorgung während eines Gewitters (verursacht durch Schäden an Verteilungskabeln oder Umspannwerken) zum plötzlichen Ausfall elektrischer oder elektronischer Geräte beitragen. Sollte dies geschehen, hinterlässt der Vorfall in der Regel eine Spur von Indizien.

Die Feststellung, ob die Ursache in einem Unwetterereignis oder einem internen Defekt liegt, ist daher entscheidend für die Anwendung des entsprechenden Abschnitts und den daraus resultierenden Versicherungsschutz – oder dessen Fehlen.

2. „Jegliche Korrosion ist ausgeschlossen“

Rost oder Korrosion sind häufige Ausschlussgründe, die in vielen Versicherungspolicen zu finden sind, und zwar nicht nur in eigenständigen Maschinenausfallversicherungen. Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass diese Ausschlüsse automatisch gelten, sobald ein solcher Schaden festgestellt wird – doch das ist nicht immer der Fall.

Korrosionsbedingte Schäden können auf verschiedene Weise entstehen:

  • Allmähliche Korrosion im normalen Betrieb (in der Regel ausgeschlossen)
  • Beschleunigte Korrosion durch chemische Reaktionen oder Überhitzung
  • Lokalisierter Riss/Leck, der NICHT auf Lochfraß zurückzuführen ist

Korrosion an Bauteilen fällt möglicherweise nicht unter den vorgesehenen Versicherungsschutz einer Police, doch Schäden an korrodierten Bauteilen (die möglicherweise zum Ausfall beigetragen haben) können eine Leistung aus der Police auslösen.

3. „Ein Lichtbogen bedeutet Feuer“

Ein weiterer häufig zu berücksichtigender Aspekt sind elektrische Verluste im Zusammenhang mit Durchschlägen oder Durchbrennern. Während ein Durchschlag oder ein Lichtbogen zu einer fast augenblicklichen, erheblichen Wärmefreisetzung führt – typischerweise an Bauteilen wie Motorwicklungen oder Schaltanlagen –, stellt der Schaden gemäß den Definitionen in den Versicherungspolicen nicht unbedingt einen Brandfall dar. Auch wenn die durch einen Lichtbogen verursachten Schäden an der Umgebung denen einer offenen Flamme ähneln mögen, gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Ausfallmechanismen, die in der folgenden Tabelle zusammengefasst sind.

UnterschiedLichtbogenbildungFlamme/brennendes Feuer
NaturIonisiertes Gas (Plasma)Chemische Reaktion
AnforderungStromWärme, Brennstoff und Sauerstoff
Temperatur2.800 °C – > 20.000 °C600 °C – 3.000 °C
Dauer des SchadensSofortLängerer Zeitraum
SchadensausbreitungStärker lokalisiertUmfassender

Diese Unterscheidung ist wichtig, da je nach Einstufung unterschiedliche Versicherungsbedingungen und Deckungsgrenzen gelten können.

Wichtige technische Konzepte bei der Schadensprüfung

Ein klares Verständnis der Fachterminologie spielt eine entscheidende Rolle bei der korrekten Bearbeitung von Schadensfällen. Gängige Schlüsselbegriffe, die in Schadensmeldungen verwendet werden, können irreführend oder ungenau sein, wenn sie nicht richtig verstanden werden:

  1. Spannungsspitze
    • Stromüberlastung/Stromaufnahme: Eine übermäßige Belastung der verfügbaren Stromversorgung durch angeschlossene Verbraucher führt häufig zum Auslösen des Schutzschalters (ein Beispiel hierfür wäre der gleichzeitige Betrieb zu vieler Haushaltsgeräte an einer gemeinsamen Steckdose).
    • Spannungsspitze: Eine hohe Spannung, die in eine Niederspannungs-Stromversorgungsleitung eingeleitet wird und zu einer Spannungsspitze im weiteren Verlauf der Leitung führt (Beispiele hierfür sind der Blitzeinschlag in eine Stromverteilungsleitung oder einen Strommast sowie der Kontakt zwischen einem Hochspannungs-Übertragungskabel und einem Niederspannungskabel).
  2. Fusion
    • Ein Physiker würde die Fusion als den Vorgang beschreiben, bei dem zwei Isotope (in der Regel Wasserstoff) miteinander verbunden werden, wodurch enorme Mengen an Energie freigesetzt werden.
    • Die Etymologie des Begriffs „Fusion“ geht auf das lateinische Wort „fundere“ zurück, das den Vorgang des Zusammenschmelzens bezeichnet, beispielsweise das Verschweißen von Stahlstangen.
    • In der Gastronomie kann „Fusion“ die Verschmelzung verschiedener Esskulturen zu einem neuen Gericht bedeuten.
    • Aus versicherungstechnischer Sicht wird der Begriff „Fusion“ jedoch in der Regel im Zusammenhang mit Maschinenausfällen verwendet und beschränkt sich nicht nur auf elektrische Schäden, sondern umfasst häufig auch mechanische Schäden.

Diese Konzepte bilden häufig die Grundlage für die eigentliche Ursache eines Schadens und beeinflussen die Einstufung von Schadensfällen und damit auch die Art und Weise, wie die Versicherung auf einen Schaden reagiert.

Zunehmender Druck bei Schadensfällen im Ingenieurwesen

Abgesehen von technischen Aspekten verändern übergeordnete Branchenentwicklungen die Art und Weise, wie technische Schadensfälle bewertet und abgewickelt werden.

Die zunehmende Bedeutung der KI 

Künstliche Intelligenz nimmt zunehmend Einfluss auf das Schadenregulierungsumfeld, unter anderem in folgenden Bereichen:

  • Schadensbearbeitung unter Einsatz von Chatbots
  • Sachliche Entscheidungsfindung auf der Grundlage vorgegebener technischer Parameter
  • Bewertung der Qualität und Konsistenz mittels eines Verifizierungsalgorithmus
  • Berufshaftungsrisiken bei KI-basierten Lösungen
  • Behördliche Überprüfung

KI bietet zwar Chancen zur Effizienzsteigerung, bringt aber auch neue Herausforderungen hinsichtlich der Zuverlässigkeit und des Vertrauens der Öffentlichkeit mit sich, die ein umsichtiges Management und weitere Maßnahmen erfordern.

Geopolitische und marktbezogene Auswirkungen

Die weltweite Instabilität wirkt sich auch auf Schadensfälle im Ingenieurwesen aus, und zwar durch:

  • Steigende Prämien
  • Gestiegene Schadenkosten aufgrund von Störungen in der Lieferkette
  • Verstärkte Beachtung von Ausschlussklauseln wie „Automatic War“-Klauseln
  • Veränderndes Gleichgewicht zwischen Sachschäden und Betriebsunterbrechungsrisiken

Die traditionelle Anwendung von Ersatzwert- und Entschädigungswertdeckungen wird angesichts der Dominoeffekte, die sich aus geopolitischen Risiken und Unsicherheiten auf globale Lieferketten ergeben, in Frage gestellt. Diese Faktoren erfordern eine fundiertere Risikobewertung und eine klarere Auslegung der Versicherungsbedingungen.

Wie wir Ihnen helfen können

Letztendlich erfordert die Bearbeitung von technischen Schadensfällen mehr als nur Kenntnisse der Versicherungsbedingungen – sie erfordert echte technische Fachkompetenz und praktische Erfahrung bei der Diagnose komplexer Fehlerursachen. Unser Ingenieurteam besteht aus interdisziplinären Spezialisten mit fundierten Branchenkenntnissen, wodurch wir in der Lage sind, die Ursachen genau zu ermitteln, bei der Auslegung der Versicherungsbedingungen zu helfen und klare, pragmatische und vertretbare Ergebnisse zu liefern.

Ganz gleich, ob wir Versicherer, Makler oder Unternehmen unterstützen – wir verbinden praxisnahe technische Kenntnisse mit Fachwissen im Bereich der Schadenabwicklung, um Unsicherheiten zu verringern, Streitfälle effizient beizulegen und eine präzise Bearbeitung von Schadensfällen zu gewährleisten. Mit dem richtigen Wissen und der richtigen Erfahrung helfen wir unseren Kunden, selbst die komplexesten technischen Schadensfälle souverän zu bewältigen.