17. März 2023
Laut dem Bericht „State of the Nation Recall Index 2023“ von Sedgwick nahmen die Produktrückrufe in fünf wichtigen europäischen Branchen im Jahr 2022 zum zweiten Mal in Folge zu. Die 10.545 Rückruffälle im Jahr 2022 entsprechen einem Anstieg von 4,3 % gegenüber den Zahlen von 2021 in den Branchen Automobil, Konsumgüter, Lebensmittel und Getränke, Pharmazeutika sowie Medizinprodukte.
Unser aktueller „State of the Nation“-Bericht analysiert Daten und Trends zu Produktrückrufen im Vereinigten Königreich und in der EU für das gesamte Jahr 2022. Neben der Datenanalyse bietet der Bericht zudem einzigartige Einblicke und Prognosen unserer Expertenfür Markenschutzzu den wichtigsten Trends im Bereich Produktsicherheit sowie zu den zu erwartenden regulatorischen Entwicklungen für den Rest des Jahres 2023.
Rückblick auf die Trends bei Produktrückrufen im Jahr 2022
Zwar stieg die Zahl der Produktrückrufe in Europa von 2021 bis 2022 um 4,3 %, doch liegt dieser Anstieg unter dem Zuwachs von 23,3 % im Zeitraum von 2020 bis 2021, was darauf hindeutet, dass sich das rasante Wachstum der Rückrufaktivitäten nach der Pandemie möglicherweise verlangsamt. Der Anstieg der Anzahl der Rückruffälle im Jahr 2022 war größtenteils auf den Automobilsektor (+31,7 %) sowie auf die drei als Konsumgüter eingestuften Teilsektoren – Spielzeug (+43,4 %), Elektronik (+7,7 %) und Bekleidung (+58,3 %) – zurückzuführen. Demgegenüber verzeichneten die Sektoren Lebensmittel und Getränke (-3,3 %), Pharmazeutika (-16,4 %) sowie Medizinprodukte (-4,6 %) im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der Rückruffälle.
Wie sich die Rückrufe im 4. Quartal 2022 im Vergleich zum Vorquartal darstellten
- Die Zahl der Rückrufaktionen im Automobilbereichstieg im vierten Quartal von 167 im dritten Quartal 2022 auf 195. Bei 157 dieser Vorfälle (bzw. 80,5 %) kam es zu Verletzungen, gefolgt von „Brand“ und „Brand und Verletzungen“ mit 27 bzw. fünf Vorfällen.
- Währenddie Zahl der Rückrufe von Lebensmitteln und Getränkenim vierten Quartal gegenüber dem dritten Quartal 2022 um 7,8 % stieg, ging die Gesamtzahl der Rückrufe in diesem Sektor von 2021 bis 2022 um 3,3 % zurück. „Verunreinigung – Sonstiges“ war im vierten Quartal in Folge der am häufigsten genannte Grund für Rückrufe von Lebensmitteln und Getränken.
- Die Rückrufe imPharmasektorstiegen im 4. Quartal 2022 um 73,3 % – von 60 im 3. Quartal auf 104 im 4. Quartal. Mit 42 Fällen (40,4 %) war „Sicherheit“ der häufigste Grund für Rückrufe im Pharmasektor. An zweiter Stelle folgten „Nichteinhaltung der Spezifikationen“ mit 18 Fällen (17,3 %) und „Fehldeklaration“ mit 15 Fällen (14,4 %).
- Die Zahl der Rückrufevon Medizinproduktenstieg vom dritten zum vierten Quartal 2022 um 14,6 % auf 740 Fälle. „Softwareprobleme“ waren zum sechsten Mal in Folge der häufigste Grund für Rückrufe von Medizinprodukten.
- DieZahl der Rückrufe von Elektronikproduktenstieg im vierten Quartal 2022 um 25,8 % auf 78 Fälle, nachdem sie im dritten Quartal noch bei 62 gelegen hatte. Mit 14 Fällen (bzw. 17,9 %) waren Beleuchtungsprodukte die am häufigsten von Rückrufen betroffene Kategorie. Es folgten „Verlängerungskabel und -stecker“ mit 10 Fällen (12,8 %) und „Laserpointer“ mit 5 Fällen (6,4 %).
- Im vierten Quartal 2022 gab es 217Rückrufaktionen für Spielzeug, was mehr als dem Doppelten (114,9 %) der Zahl im dritten Quartal entspricht und wahrscheinlich auf die höhere Nachfrage nach Spielzeug in der Weihnachtszeit zurückzuführen ist. Plastikpuppen waren im vierten Quartal das am häufigsten zurückgerufene Spielzeug und damit zum vierten Mal in Folge das am häufigsten zurückgerufene Spielzeug.
- Ähnlich wie bei Spielzeug stieg die Zahlder Rückrufe von Bekleidungim vierten Quartal 2022 um 114,3 % – von 35 Fällen im dritten Quartal auf 75 im vierten Quartal. Kinderbekleidung war die am häufigsten von Rückrufen betroffene Produktkategorie und machte 60,0 % aller Rückrufe von Bekleidung im vierten Quartal 2022 aus.
Was uns im Jahr 2023 erwartet
Die Aufsichtsbehörden haben das Jahr 2022 damit verbracht, die Grundlagen für neue Vorschriften im Jahr 2023 zu schaffen, wobei die Vorschläge Bereiche von der Kennzeichnung über Ökodesign bis hin zu CO₂-Emissionen und Produkthaftung betreffen. Während diese Vorschläge im Jahr 2023 den Gesetzgebungsprozess durchlaufen, könnten Hersteller dazu verpflichtet werden, die Verantwortung für ihre Produkte über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg zu übernehmen. Die britischen Regulierungsbehörden sind zudem dabei, den Austritt aus der EU abzuschließen, und werden voraussichtlich im Jahr 2023 entscheiden, ob sie die Übergangsregelungen beibehalten oder ersetzen werden.
Darüber hinaus konzentrieren sich die europäischen Regulierungsbehörden weiterhin darauf, die COVID-19-Pandemie hinter sich zu lassen und sicherzustellen, dass die gewonnenen Erkenntnisse – nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit und Anfälligkeit von Lieferketten – in künftige Gesetze einfließen. Auch im Jahr 2023 werden weiterhin neue wirtschaftliche Bedrohungen auftreten, da die instabile geopolitische Lage sich auf Verbraucherpreise und Rohstoffe auswirkt.
Angesichts der anhaltenden regulatorischen und politischen Veränderungen ist es unerlässlich, dass Unternehmen Risiken in einer Vielzahl von Bereichen einkalkulieren und externe Experten hinzuziehen, um ihre Marke auf alle möglichen Herausforderungen vorzubereiten.
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