Lautdem aktuellenEuropeanRecall Index“-Bericht von Sedgwick stieg die Zahl der Produktrückrufe in Europa im dritten Quartal 2023 zum fünften Mal in Folge an. In den fünf im Bericht erfassten Branchen gab es im dritten Quartal 2023 insgesamt 3.227 Rückrufe, was den höchsten Stand an Rückrufaktivitäten in einem einzelnen Quartal seit mehr als zehn Jahren darstellt. Damit wurde der zuvor im zweiten Quartal 2023 aufgestellte Rekord übertroffen. 

Der Bericht zum „European Recall Index“ enthält eine Analyse der Rückrufdaten aus dem dritten Quartal 2023 für fünf wichtige europäische Branchen. Um die Interessengruppen bei der Vorbereitung auf regulatorische Änderungen und sich wandelnde Produktsicherheitsrisiken zu unterstützen, mit denen ihre Branche im Jahr 2024 konfrontiert sein könnte, bietet der Index-Bericht darüber hinaus wichtige Analysen und Leitlinien unserer strategischen Partner aus führenden europäischen Anwaltskanzleien.

Rückblick auf die Trends bei Produktrückrufen im dritten Quartal

Die rekordhohe Zahl der Rückrufaktionen im dritten Quartal 2023 war auf einen Anstieg der Rückrufe bei Arzneimitteln und Medizinprodukten zurückzuführen, die um 48,6 % bzw. 17,2 % zunahmen. Auch in der Automobilindustrie sowie in der Lebensmittel- und Getränkebranche stieg die Zahl der Rückrufe, wenn auch nur geringfügig um 1,4 % bzw. 1,1 % gegenüber dem Vorquartal. Die Konsumgüterbranche war die einzige Branche, in der die Rückrufaktivitäten zurückgingen; sie sanken gegenüber dem Vorquartal um 10,5 %. Im dritten Quartal konzentrierten sich die Regulierungsbehörden in der EU und im Vereinigten Königreich auf Maßnahmen zur Unterstützung von Nachhaltigkeitsbemühungen, zur Förderung branchenübergreifender Innovationen und zur Verbesserung der Sicherheit beim Online-Einkauf für Verbraucher. Künstliche Intelligenz (KI) und Cybersicherheit blieben ebenfalls Prioritäten, da die Regulierungsbehörden daran arbeiteten, einen Ausgleich zwischen technologischem Fortschritt einerseits und Produktsicherheit sowie Datensicherheit andererseits zu schaffen. 

Wie sich die Rückrufe im 3. Quartal 2023 im Vergleich zum Vorquartal darstellten

  • Die Zahl der Rückrufaktionen in der europäischen Automobilbranche stieg um 1,4 % von 214 im zweiten Quartal 2023 auf 217 im dritten Quartal. Damit war dies erst das dritte Quartal in über zehn Jahren mit mehr als 200 Rückrufaktionen in der Automobilbranche. Verletzungen waren mit 164 Fällen erneut der Hauptgrund, während Personenkraftwagen mit 147 Fällen den Fahrzeugtyp mit den meisten Rückrufaktionen darstellten. Das Vereinigte Königreich verzeichnete zum siebten Mal in Folge die meisten Rückrufaktionen.
  • Die Zahl der Rückrufe von Lebensmitteln und Getränken in Europa stieg vom zweiten zum dritten Quartal 2023 um lediglich 1,1 %. Nichtbakterielle Verunreinigungen waren mit 470 Fällen die häufigste Ursache für Rückrufe, wobei Aflatoxine und Chlorpyrifos die am häufigsten auftretenden bedenklichen Verunreinigungen waren. Obst und Gemüse blieben mit 192 Fällen die Produktkategorie mit den meisten Rückrufen.
  • Die Zahl der Arzneimittelrückrufe stieg um 48,6 % – von 74 Fällen im zweiten Quartal 2023 auf 110 im dritten Quartal. Damit sind die Arzneimittelrückrufe auf dem besten Weg, im Jahr 2023 einen Dreijahreshöchststand zu erreichen. Sicherheitsrisiken waren mit 22 Fällen die häufigste Ursache für Rückrufe, was einen leichten Rückgang gegenüber den 30 Fällen im zweiten Quartal 2023 darstellt.
  • Im dritten Quartal 2023 gab es in Europa 886 Rückrufe von Medizinprodukten, was einem Anstieg von 17,2 % gegenüber dem Vorquartal entspricht. Software war mit 114 Fällen der am häufigsten genannte Grund für Rückrufe von Medizinprodukten. Deutschland gab mit 199 Rückrufmeldungen die meisten bekannt.
  • Die Zahl der Rückrufaktionen im Bereich Unterhaltungselektronik sank im dritten Quartal 2023 um etwas mehr als ein Drittel (34,5 %) – von 168 im zweiten Quartal auf 110. Das häufigste Risiko war ein Stromschlag, der als alleinige Ursache bei 56 Rückrufaktionen und in Kombination mit anderen Faktoren bei 66 Rückrufaktionen eine Rolle spielte. 
  • Die Zahl der Spielzeugrückrufe in Europa ging im dritten Quartal um 14,2 % zurück, von 120 im zweiten Quartal auf 103 im dritten Quartal. Damit ist zwar bereits das dritte Quartal in Folge ein Rückgang zu verzeichnen, doch für das vierte Quartal wird angesichts der bevorstehenden Weihnachtszeit ein deutlicher Anstieg erwartet. In den letzten fünf Jahren stieg die Zahl der Rückrufe im letzten Quartal um 56 %. Mit 18 Fällen überholten Plüschtiere im dritten Quartal Plastikpuppen als führende Produktkategorie.
  • Im dritten Quartal gab es 59 Rückrufe von Bekleidung, was einem Rückgang von 49,6 % gegenüber den 117 Fällen im zweiten Quartal entspricht. Das letzte Quartal war jedoch das einzige seit dem vierten Quartal 2017, in dem die Zahl der Rückrufe von Bekleidung 100 überstieg. Die Kombination aus Verletzungen und Strangulation war mit 35 Fällen im dritten Quartal 2023 der häufigste Grund für Rückrufe von Bekleidung.

Ein Blick in die Zukunft zur Vorbereitung auf das Jahr 2024

In allen Branchen beobachten wir eine zunehmende Anzahl von Vorschriften, die aufeinander aufbauen oder sich an bestehenden Gesetzen orientieren. Dieser Trend zeigt sich deutlich bei den Vorschriften zur erweiterten Herstellerverantwortung sowie bei den vorgeschlagenen Regelungen zur Unterstützung des Europäischen Grünen Deals, der „Farm-to-Fork“-Strategie und des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft. Am auffälligsten ist vielleicht der unterschiedliche Ansatz bei der Regulierung von KI, die auf nationaler Ebene durch das EU-KI-Gesetz sowie durch branchenspezifische Leitlinien für Branchen wie Medizinprodukte und Konsumgüter geregelt werden könnte. Das Risiko von Fehltritten bei der Einhaltung der Vorschriften könnte für Unternehmen steigen, da das Geflecht miteinander vernetzter Vorschriften weiter wächst.

Angesichts der weiter steigenden Zahl von Rückrufaktionen in Europa und eines sich ständig weiterentwickelnden, strengeren (und vernetzten) regulatorischen Umfelds sehen sich Unternehmen mit einer komplexen Risikosituation konfrontiert, die kaum Spielraum für Fehler lässt. Zu Beginn des Jahres 2024 wird ein strategischer und gut geplanter Ansatz in Bezug auf Produktsicherheit und Rückrufe den Unternehmen den richtigen Start ermöglichen.

Der „European Recall Index“ wird vierteljährlich von den Markenschutz-Experten von Sedgwick veröffentlicht. Es handelt sich um den einzigen Bericht, der Rückrufdaten aus dem Vereinigten Königreich und der EU zusammenfasst und nachverfolgt, um Akteuren der Branche dabei zu helfen, sich im regulatorischen Umfeld, bei Produktrückrufen und anderen Herausforderungen auf dem Markt zurechtzufinden.

Um den aktuellen Bericht zum „European Recall Index“ herunterzuladen,klicken Sie bitte hier.