19. November 2021
Von den Gastautoren: William Troutman, Kate Findlay und Hernan Gonzalez
Vorwort von Jeremy Schutz, Leiter der Geschäftsentwicklung bei Sedgwick:
Willkommen zur neuesten Ausgabe von „Spotlight“. Mit „Spotlight“ möchten wir Einblicke und Perspektiven unserer strategischen Partner – Rechtsanwälte, Versicherer, Risikomanager und Experten für Krisenkommunikation aus verschiedenen Branchen – zu Themen vermitteln, die die Sichtweise eines Unternehmens auf Vorfälle am Markt und das Krisenmanagement beeinflussen können. In dieser Ausgabe begrüßen wir William Troutman (Los Angeles), Kate Findlay (Toronto) und Hernan Gonzalez (Mexiko-Stadt) – Partner bei Norton Rose Fulbright –, die uns einen Überblick über die grenzüberschreitende Einhaltung von Vorschriften bei Rückrufaktionen für Verbraucherprodukte in Nordamerika geben.
Lesen Sie weiter, um mehr Einblicke von William, Kate und Hernan bei Norton Rose Fulbright zu erhalten:
Die Einhaltung der Produktsicherheitsvorschriften erstreckt sich über die Grenzen Nordamerikas hinaus. Die US-amerikanische Consumer Product Safety Commission (CPSC), Health Canada und die mexikanische Procuraduría Federal del Consumidor (PROFECO) haben ihre Zusammenarbeit in den letzten zehn Jahren erheblich intensiviert und stehen nun in regelmäßigem Austausch, um die Verbraucher angesichts des explosionsartigen Wachstums des E-Commerce und der zunehmend globalen Reichweite von Marken zu schützen.
In den USA ist das Bundesgesetz zur Sicherheit von Verbraucherprodukten der „Consumer Product Safety Act“ (CPSA) in der durch den „Consumer Product Safety Improvement Act“ von 2008 geänderten Fassung. Auf der Grundlage des CPSA erlässt die CPSC Sicherheitsstandards für Verbraucherprodukte und setzt die Anforderungen für die Prüfung und Zertifizierung von Produkten durch.
In Kanada ist das Bundesgesetz für Verbraucherprodukte das „Canada Consumer Product Safety Act“ (CCPSA). Die Aufsicht und Durchsetzung des CCPSA obliegt dem Programm für Verbrauchersicherheit von Health Canada. Auf Provinzebene gibt es eine zusätzliche Ebene von Verbraucherschutz- und Warenverkaufsgesetzen, die die Sicherheit von Produkten regeln und vorschreiben, dass diese für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet und von handelsüblicher Qualität sein müssen.
In Mexiko ist die PROFECO als dezentrale Sozialbehörde des Bundeswirtschaftsministeriums tätig. Ihr offizieller Auftrag besteht darin, die Rechte und Interessen der Verbraucher zu fördern und zu schützen sowie Gleichheit und Rechtssicherheit in den Beziehungen zwischen Anbietern und Verbrauchern zu gewährleisten. Der Bundesbeauftragte für Verbraucherschutz wird vom Präsidenten ernannt und hat in der Regel eine Amtszeit von sechs Jahren.
Die CPSC, Health Canada und die PROFECO tauschen Informationen untereinander aus, doch was genau sie austauschen und wie oft, ist weitgehend unbekannt. Nach unserem Verständnis arbeiten sie jedoch bei den Sicherheitsstandards und Vorschriften für Verbraucherprodukte zusammen. Obwohl die drei Behörden über ähnliche Gesetze, Vorschriften und Standards verfügen, gelten bei ihnen unterschiedliche Auslöser und Anforderungen für die Bewertung der Produktsicherheit und für Rückrufe.
Zwar wirkt sich ein Produktproblem in einem Land auf alle Länder aus, doch bedeutet dies nicht, dass die Verfahren in Bezug auf Compliance, Durchsetzung, Abhilfemaßnahmen oder Rückrufe einheitlich sind, und die Koordinierung eines grenzüberschreitenden Vorgehens kann geometrisches Denken erfordern. Multinationale Unternehmen und solche mit globalen Lieferketten benötigen eine Strategie, die mehrere Rechtsordnungen abdeckt, um grenzüberschreitende Unterschiede zu bewältigen – von der Einhaltung von Produktsicherheitsstandards bis hin zu wirksamen Abhilfemaßnahmen. Eine kompetente rechtliche Vertretung ist für die Bewältigung dieses Prozesses von entscheidender Bedeutung.
Jede Aufsichtsbehörde in Nordamerika erwartet von globalen Marken, dass sie die jeweiligen Vorschriften verstehen und einhalten. Auch das politische Klima wird sich auf die Durchsetzung auswirken. In den USA beispielsweise wird die CPSC wahrscheinlich eine aktivere Rolle bei der Durchsetzung und bei rechtlichen Schritten spielen, wenn der Präsident ein Demokrat ist. Ist der Präsident hingegen ein Republikaner, wird die CPSC möglicherweise eher auf Zusammenarbeit setzen, bevor sie zu Strafmaßnahmen greift.
Die Meldung von Informationen zur Sicherheit von Konsumgütern kann der schwierigste Teil des Rückrufprozesses sein. Die Anforderungen sind von Land zu Land unterschiedlich, doch die Benachrichtigung einer Aufsichtsbehörde kann dazu führen, dass die beiden anderen Fragen stellen. In den USA gibt es objektive und subjektive Auslöser – die Nichteinhaltung einer Sicherheitsnorm bzw. der Erhalt von Informationen, die darauf hindeuten, dass ein Produkt trotz Einhaltung der Normen zu schweren Verletzungen oder zum Tod führen kann. In Kanada kann jede gemeldete Verletzung oder jeder „Beinaheunfall“ eine Meldepflicht auslösen. Und in Mexiko gibt es ebenfalls subjektive Maßstäbe – jede Information, wonach ein Produkt das Leben, die Gesundheit, die Sicherheit oder die wirtschaftliche Lage einer Person beeinträchtigen kann.
Der Umgang mit den Unterschieden bei diesen Auslösern kann problematisch sein, da sie oft auf Rückmeldungen von Verbrauchern beruhen. Darüber hinaus erwarten die Aufsichtsbehörden von den Unternehmen, dass sie alle Arten von Produktdaten überwachen und analysieren – von Bewertungen auf Websites über Rücklaufquoten bis hin zu Beschwerden und Reklamationen beim Kundenservice. Infolgedessen kann ein Unternehmen in eine Situation geraten, in der aufgrund einer einzigen Verletzung eine Meldung an Health Canada erforderlich ist, während eine Meldung an die CPSC oder die PROFECO nicht unbedingt vorgeschrieben ist – aber dennoch ratsam sein kann.
Auch die Rückruflogistik kann eine Herausforderung darstellen, da die Behörden unterschiedlich schnell vorgehen und unterschiedliche Anforderungen an die Kommunikation im Rahmen von Rückrufen, Abhilfemaßnahmen und die Rücknahmelogistik stellen. Es ist wichtig, dass Ihr Unternehmen über die gesetzlichen Anforderungen in allen drei Ländern auf dem Laufenden bleibt und alle neuen Vorschriften in Ihre Risikomanagementbewertung einbezieht. Es besteht kein Zweifel daran, dass eine länderübergreifende Strategie erforderlich ist, um sicherzustellen, dass Sie alle Faktoren berücksichtigen und in ganz Nordamerika grenzüberschreitend einen guten Ruf bewahren.
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Über unsere Gastautoren: Herr Troutman, Frau Findlay und Herr Gonzalez arbeiten gemeinsam an grenzüberschreitenden Fragen der Produktkonformität im Konsumgüterbereich – von Produktrückrufen bis hin zu Verpackung und Kennzeichnung.
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