13. September 2021
Von Luke Evans
Zwar ist am Ende des COVID-19-Tunnels Licht zu sehen und die Verbraucher hoffen auf eine Rückkehr zur Normalität, doch ist ein „Business as usual“ noch in weiter Ferne, wie aus unseremBericht „Recall Index 2021“ hervorgeht.
Der Index, der Rückrufdaten aus dem ersten Halbjahr 2021 zusammenfasst, ist eine unverzichtbare Lektüre für Hersteller und Einzelhändler, die unvoreingenommene und zuverlässige Einblicke in vergangene, aktuelle und zukünftige Trends im Bereich der Produktsicherheit suchen. Darüber hinaus bietet er Expertenanalysen und Prognosen dazu, was in den verbleibenden Monaten des Jahres in Bezug auf Innovationen, regulatorische Entwicklungen und Markttreiber in den einzelnen Branchen zu erwarten ist.
Aktuelle Einflussfaktoren und Trends
Das Jahr 2021 war geprägt von Betriebsunterbrechungen (aufgrund von COVID-19 und dem Brexit), Herausforderungen in der Lieferkette sowie einer wirtschaftlichen Rezession. Es kam zu Engpässen bei Halbleitern, Problemen im Bereich Daten- und Cybersicherheit sowie anhaltenden Bedenken hinsichtlich der Sicherheit, Qualität und Transparenz von Waren und deren Kennzeichnung. Chemikalien, Schadstoffe und Fälschungen stellten sowohl im Lebensmittel- als auch im Non-Food-Bereich weiterhin ein Problem dar.
Im zweiten Quartal stieg die Zahl der Rückrufaktionen in der Lebensmittel-, Pharma- und Automobilindustrie (im Vergleich zum ersten Quartal) an, was auf eine Rückkehr zum Niveau vor der Pandemie hindeutet. Demgegenüber verzeichneten die Bereiche Medizinprodukte und Spielzeug einen Rückgang und liegen weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie.
Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber erhalten mehr „Durchsetzungskraft“
Da die EU neue Rahmenbedingungen entwickelt, um ihre wirtschaftlichen, ökologischen und sicherheitsrelevanten Herausforderungen zu bewältigen, müssen Unternehmen genau darauf achten, die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten. Es gibt Ziele für den Ausstieg aus dem Dieselverkehr, Vorbereitungen für die neue Arzneimittelgesetzgebung ab 2022 und im Vereinigten Königreich steht das „Natasha’s Law“ für Lebensmittel und Getränke kurz vor dem Inkrafttreten. Unterdessen sind auch die Umsetzung der EU-Medizinprodukteverordnung und die vorgeschlagenen Änderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit vorangekommen. Auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) treten zunehmend proaktiv in Erscheinung. In der Bekleidungsbranche schließen sie sich zusammen, um gegen „Fast Fashion“ und deren Auswirkungen auf die Umwelt vorzugehen.
Wie sich die Rückrufe im 2. Quartal 2021 im Vergleich zum Vorquartal darstellen
- Die Zahl der Rückrufe in der Automobilbranchestieg um 16 %. Verletzungen stellten weiterhin das größte Risiko dar (78 %), während Personenkraftwagen die am stärksten betroffene Kategorie waren (59 %). Die Halbleiterknappheit wurde durch die zunehmenden Trends in den Bereichen Elektrifizierung, Telematik und Automatisierung noch verschärft.
- Die Zahl der Rückrufe von Lebensmitteln und Getränkenhat sich mit einem leichtenAnstieg um 8 % allmählich wieder auf das Niveau vor der Pandemie eingependelt. Verunreinigungen (außer bakteriellen) sind die häufigste Ursache für Rückrufe (36 %), wobei Aflatoxine die größte Gefahr darstellen.
- Die Zahl der Rückrufe von Arzneimittelnstieg um 8 %, was in erster Linie auf „Sicherheitsbedenken“ zurückzuführen war. Fast ein Drittel der Rückrufe (31 %) betraf Produkte, die in Frankreich hergestellt wurden.
- Die Zahl der Rückrufe von Medizinproduktenging um 7 % zurück. Sie liegt damit weiterhin über dem Quartalsdurchschnitt von 2020, jedoch unter dem Wert von 2019. Qualitätsprobleme waren in 29 % der Fälle der häufigste Grund für Rückgaben.
- Die Zahl der Rückrufaktionen im Elektronikbereichging um 12 % zurück, liegt jedoch immer nochum 36 % überdem Quartalsdurchschnitt des Jahres 2020. Insgesamt standen 75 % der Vorfälle im Zusammenhang mit Stromschlägen und betrafen Produkte wie Ladegeräte und Kabel, Lichterketten, Haarstylinggeräte und Haushaltsgeräte. 83 % der zurückgerufenen Produkte stammten aus China.
- Die Rückrufe von Spielzeugsetzten ihren Abwärtstrend aus dem ersten Quartal fort undgingen umweitere19 % zurück.Chemische Risiken waren die häufigste Ursache für Rückrufe (44 %), wobei mehr als die Hälfte davon Kunststoffpuppen betraf.
- Die Zahl der Rückrufe von Bekleidungstieg um 78 %.Kinderbekleidung machte den größten Teil der Meldungen aus (72 %), wobei Erstickungsgefahren die häufigste Ursache darstellten.
Unternehmen mit globalen Lieferketten, die in hohem Maße auf eine effiziente Fertigung angewiesen sind, spüren die Auswirkungen stärker als andere. Angesichts der rasanten Veränderungen im geschäftlichen und regulatorischen Umfeld werden sie sich verstärkt auf kompetente Partner verlassen müssen. Mit den richtigen Daten, einer sorgfältigen Planung und entsprechender Unterstützung können diese Partner dazu beitragen, Verpflichtungen gegenüber Kunden, Compliance-Anforderungen und Lieferkettenpartnern einzuhalten und gleichzeitig den Ruf bei den wichtigsten Stakeholdern zu wahren.
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