11. April 2022
Im Mai 2020 veröffentlichte Sedgwick eine Analyse zu Trends und Praktiken bei Rechtsstreitigkeiten im Bereich der Haftpflichtansprüche.
Als diese Analyse veröffentlicht wurde, befand sich die Welt mitten in der COVID-Pandemie, die im Laufe der letzten zwei Jahre enorme Auswirkungen auf praktisch alle Aspekte unseres Lebens hatte; sie wurde als emotionale Achterbahnfahrt beschrieben, die Skepsis gegenüber vielen Dingen, Institutionen und sogar Menschen hervorgerufen hat, die vor der Pandemie unumstößlich schienen. Wie sich dies auf die Zukunft von Haftungsklagen, die soziale Inflation und die Beratungen von Geschworenengerichten auswirken wird, bleibt abzuwarten.
Aufgrund zahlreicher Faktoren deuten die Trends darauf hin,dasssich an denwichtigsten Ergebnissenunserer VeröffentlichungvomMai 2020 kaum oder gar nichts geändert hat. Die Zahl der Rechtsstreitigkeiten und die damit verbundenen Kosten steigen weiter an, was vor allem auf die anhaltend steigende Zahl von Schadensfällen zurückzuführen ist, bei denen bereits bei der ersten Schadensmeldung ein Anwalt hinzugezogen wird.
Die COVID-19-Pandemie hat die Auswirkungen vieler Aspekte von Haftungsprozessen vorübergehend gedämpft. Allerdings wirken sich die soziale Inflation und „Nuclear Verdicts“ weiterhin auf die Branche aus, da die Zahl und die Höhe der zugesprochenen Entschädigungen steigen.
Angesichts des aktuellen Umfelds bei Haftungsstreitigkeiten muss die Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten bereits in der Phase der Schadensmeldung weiterhin im Mittelpunkt stehen. In erster Linie müssen Unternehmen eine Kultur pflegen, die sichere und verantwortungsbewusste Praktiken und Prozesse in den Vordergrund stellt und ihr Engagement für Umwelt-, Sozial- und Governance-Ziele untermauert. Dennoch wird es zu Schadensfällen kommen, und wenn dies geschieht, tragen Maßnahmen wie Interessenvertretung und zeitnahe Kommunikation mit dem Fokus auf die Schadensregulierung dazu bei, dass es nicht zu einem Rechtsstreit kommt. Darüber hinaus kann der Einsatz prädiktiver Modelle dabei helfen, klageanfällige Schadensfälle zu identifizieren, bei denen alternative Arbeitsabläufe implementiert werden können, um den Schwerpunkt auf Prävention und Lösung zu legen.
Sobald ein Rechtsstreit vorliegt, sollten sich Unternehmen darauf konzentrieren, Strategien und Taktiken anzuwenden, um gegebenenfalls eine gütliche Einigung vor Prozessbeginn zu erzielen. Ist dies nicht angemessen oder möglich, sollten spezifische Prozessstrategien zum Einsatz kommen, um: das beklagte Unternehmen zu „vermenschlichen“, der typischerweise von den Anwälten der Kläger vertretenen „Reptilien-Theorie“ entgegenzuwirken und durch „Verankerung“ alternative Wertvorstellungen zur Berücksichtigung durch die Geschworenen anzubieten.
Angesichts der erheblichen Auswirkungen, die die wachsende Zahl der vor Gericht verhandelten Schadensfälle mit sich bringt, und der Anzeichen dafür, dass solche Fälle immer häufiger auftreten, tun Unternehmen und ihre Versicherer gut daran, diesen Schadensfällen zusätzliche Aufmerksamkeit und Ressourcen zu widmen und Wege und Mittel zu finden, um sie zu vermeiden oder deren Folgen zu mildern.
Die Pandemie und andere weltweite Ereignisse haben zu Unruhe und Unsicherheit geführt, und auch im Jahr 2022 halten die Veränderungen weiter an. Unsicherheit und Unruhe sind in einem ohnehin schon zunehmend klagefreudigen Umfeld ein Nährboden für Rechtsstreitigkeiten. Doch Veränderungen bringen auch Chancen mit sich. Auch wenn die Indikatoren weiterhin darauf hindeuten, dass die Höhe von Schadenersatzurteilen und sogar von „Nuclear Verdicts“ auf absehbare Zeit weiter steigen könnte, können Versicherer und ihre Kunden gemeinsam wirksame Strategien entwickeln, um Rechtsstreitigkeiten und die damit verbundenen Kosten zu vermeiden und zu mindern. Ein besseres Verständnis der Herausforderungen und eine bewusste Planung ebnen den Weg zu besser vorhersehbaren Ergebnissen.
Klicken Sie hier, um den vollständigen Kommentar von Chris Frechette, Vizepräsident des Bereichs Haftpflicht, und Max Koonce, Leiter der Schadenabteilung, anzusehen oder herunterzuladen.
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