10. März 2022
LONDON, 9. März 2022– Der jüngste Bericht von Sedgwick zeigt, dass die Zahl der Produktrückrufe in Europa im Jahr 2021 im Vergleich zu 2020 in sieben Schlüsselbranchen um 25,5 % gestiegen ist.
Der jüngste„State of the Nation Recall Index“-Berichtzeigt, dass es insgesamt 9.415 Rückrufaktionen gab – ein Anstieg um 7,4 % gegenüber dem Jahreswert von 2019 und eine Rückkehr auf das Niveau vor der Pandemie.
Der Rückrufindex-Bericht bewertet sieben Produktkategorien: Automobilindustrie, Pharmazeutika, Medizinprodukte, Elektronik, Bekleidung, Spielzeug sowie Lebensmittel und Getränke. Er sammelt und analysiert Daten von Aufsichtsbehörden in ganz Europa, einschließlich des Vereinigten Königreichs und der Europäischen Union, um Unternehmen unparteiische und zuverlässige Rückrufdaten, Trends zur Produktsicherheit, exklusive Einblicke und wertvolle Leitlinien für ihre Geschäftstätigkeit zur Verfügung zu stellen.
Um den Bericht zum Rückrufindex herunterzuladen, rufen Siedie Seite „Europäischer Rückrufindexbericht“ auf.
Highlights der Rückrufaktionen 2021:
- Die Zahl der Rückrufaktionen in der europäischen Automobilbranche stieg 2021 um 18 % (auf 571), verglichen mit 485 im Jahr 2020. Der häufigste Grund war in jedem Quartal die Verursachung von Verletzungen. Während die Trends insgesamt stabil blieben, gab es bemerkenswerte regionale Unterschiede, darunter einen Anstieg in Frankreich und einen Rückgang im Vereinigten Königreich.
- In der Kategorie „Lebensmittel und Getränke“ stieg die Zahl der Rückrufe im Jahr 2021 um 25 % (auf 4.676 Fälle), verglichen mit 3.737 Fällen im Jahr 2021. Fast ein Drittel (1.680) der Rückrufe war auf „Verunreinigungen – Sonstiges“ zurückzuführen, wobei Deutschland im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Rückrufmeldungen um 46 % verzeichnete.
- Die Zahl der Rückrufaktionen im Pharmabereich stieg im Jahr 2021 um 48 % (auf 372). Der Hauptgrund für die Rückrufaktionen war die Sicherheit, auf die 33 % (123) der Gesamtzahl entfielen. Frankreich führte sowohl bei der Herkunft als auch bei der Meldung der Vorfälle die Liste an, mit jeweils 108 (29 %) in jeder Kategorie.
- Die Zahl der Rückrufe von Medizinprodukten stieg 2021 um 40 % von 2.061 (im Jahr 2020) auf 2.886. Der Großteil der Vorfälle (630 bzw. 21,8 %) war auf „Qualitätsprobleme“ zurückzuführen. Bei den aus Deutschland stammenden Produkten wurden 790 Rückrufe verzeichnet (27,4 %), gefolgt von Italien (668) und Frankreich (604).
- Die Zahl der Rückrufe im Bekleidungssektor stieg im Vergleich zu 2020 (142) um 6,3 % (auf 151 Fälle). Zum zweiten Mal in Folge waren Kinder-Sweatshirts die häufigste Ursache (27). Fast ein Drittel aller Rückrufe wurde von Bulgarien gemeldet (49 Fälle bzw. 32 %).
- In der Elektronikbranche stieg die Zahl der Rückrufe im Vergleich zu 2020 um fast 45 %. Damit sind die Zahlen bereits das zweite Jahr in Folge gestiegen, wobei der Anstieg auf 326 Vorfälle deutlicher ausfällt als in den Vorjahren. Zum dritten Mal in Folge waren USB-Ladegeräte die am häufigsten zurückgerufenen Geräte. Ungarn führte die Liste der Rückrufmeldungen mit 104 Fällen (31,9 %) an.
- Die Zahl der Spielzeugrückrufe ging 2021 um 28,1 % zurück und belief sich auf 433 Fälle. Plastikpuppen waren auch in den letzten drei Jahren die am häufigsten zurückgerufene Spielzeugart (79 Fälle im Jahr 2021). Polen überholte Großbritannien als führendes Meldeland mit 102 Rückrufen.
„In der Folge der Pandemie und des Brexits kam es zu erheblichen Störungen in den Lieferketten und zu raschen Ersatzmaßnahmen, was 2021 zu einem sprunghaften Anstieg der Rückrufe führte. Unternehmen waren gezwungen, Abläufe anzupassen, die vor zwei Jahren noch als normal gegolten hätten“, sagte Julie Ross, Leiterin der Abteilung für internationale Geschäftsentwicklung bei Sedgwick. „Die üblichen Protokolle zur Risikobewertung wurden außer Kraft gesetzt, was in allen Branchen – mit Ausnahme der Spielzeugbranche – zu einem Anstieg der Rückrufe führte.“
Luke Evans, Berater bei Sedgwick, fügte hinzu: „Im Jahr 2022 stehen allen Branchen tiefgreifende Veränderungen bevor. In vielen Fällen passen die Regulierungsbehörden Gesetze an, die vor der weit verbreiteten Einführung von Online-Marktplätzen und vernetzten Geräten verfasst wurden. Das Ziel dieser Änderungen ist es, die Verbraucher und in einigen Fällen auch die Umwelt zu schützen. Allerdings werden sie wahrscheinlich Herausforderungen für Unternehmen mit sich bringen, die möglicherweise erhebliche Anpassungen an ihren Geschäftsprozessen vornehmen müssen, um die neuen Vorschriften einzuhalten.“
Ausblick auf das Jahr 2022:
- Die europäische Automobilindustrie sieht sich mit einer Reihe miteinander verknüpfter Vorschriften der Europäischen Kommission konfrontiert, deren Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz liegt. Dazu gehören Sicherheitsvorschriften für Kraftfahrzeuge wie die Abgasnormen Euro 7 und Euro VII, deren Inkrafttreten auf Juli 2022 verschoben wurde.
- Die europäische Lebensmittel- und Getränkeindustrie sieht sich im Jahr 2022 mit mehreren regulatorischen Neuerungen konfrontiert, darunter das Inkrafttreten des „Green Claims Code“ der britischen Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) sowie von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Änderungen der Kennzeichnung, deren Verabschiedung geplant ist.
- Weltweite Aufsichtsbehörden der Pharmaindustrie treiben eine koordinierte Vorgehensweise zur Entwicklung sicherer neuer COVID-19-Impfstoffe und -Therapien voran. Neue Änderungen des EU-Rechts verlangen jedoch, dass Sponsoren oder gesetzliche Vertreter für klinische Studien in der EU ansässig sind, was bedeutet, dass Unternehmen, die ausschließlich im Vereinigten Königreich ansässig sind, in der EU keine Studien mehr im Auftrag von Sponsoren aus den USA oder anderen außereuropäischen Ländern durchführen können.
- In der EU tätige Medizinproduktehersteller beobachten derzeit die geänderten Übergangsfristen, die für die Markteinführung von In-vitro-Diagnostika erforderlich sind. Die neuen Vorschriften sollten ursprünglich im Mai 2022 in Kraft treten, doch die Umstellung der Produktion zur Deckung des Bedarfs an pandemiebezogenen Produkten führte zu Forderungen nach einer Verschiebung des Stichtags.
- Umweltfreundliche Verfahren bei Produktion, Verpackung und Versand haben in der gesamten Bekleidungsindustrie weiterhin hohe Priorität. Die Umweltangaben britischer Bekleidungsunternehmen werden nun, da der neue „Green Claims Code“ der CMA in Kraft getreten ist, genauer unter die Lupe genommen.
- Die Regulierungsbehörden arbeiten derzeit an einer Aktualisierung der Rechtsvorschriften, um den erweiterten Möglichkeiten und der zunehmenden Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet der Dinge (IoT) Rechnung zu tragen. Der im Vereinigten Königreich vorgeschlagene Gesetzentwurf zur Produktsicherheit und Telekommunikationsinfrastruktur (PSTI) zielt zwar darauf ab, die Verbraucher zu schützen, könnte sich jedoch für Hersteller und Händler als belastend erweisen.
- Sicherheit ist nach wie vor das wichtigste Thema in der gesamten Spielzeugbranche. Wesentliche Änderungen der EU-Spielzeugrichtlinie befinden sich derzeit im Genehmigungsverfahren. Die Aufsichtsbehörden tragen derzeit den Veränderungen sowohl in der Produkttechnologie als auch in der Art und Weise, wie Produkte heute verkauft werden – insbesondere online –, Rechnung. Die vorgeschlagenen Vorschriften könnten eine erhebliche Belastung für Hersteller und Händler darstellen, weshalb Unternehmen die Entwicklungen genau verfolgen sollten.
Diese branchenführende Studie und Analyse wurde von den Experten von Sedgwick im Bereich bewährter Verfahren für Produktrückrufe und Abhilfemaßnahmen konzipiert und durchgeführt.
Der Rückrufindex wird vierteljährlich von den Markenschutz-Experten von Sedgwick erstellt. Er ist eine unverzichtbare Informationsquelle für Hersteller und Einzelhändler, die einen unvoreingenommenen und zuverlässigen Überblick über vergangene, aktuelle und zukünftige Rückrufdaten sowie Trends im Bereich der Produktsicherheit suchen. Weitere Informationen finden Sie unter sedgwickcomf.kinsta.cloud/brandprotection.
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