16. Dezember 2021
Von James Norman, Leiter der Abteilung für internationale Geschäftsentwicklung
Mit einer jungen Bevölkerung, einem starken Humankapital und großen regionalen Versicherungszentren ist das Potenzial des afrikanischen Versicherungssektors allgemein bekannt.
Als zweitwachstumsstärkster Versicherungsmarkt hinter Lateinamerika weist Afrika eine ganz eigene Landschaft auf, in der etablierte lokale, regionale und internationale Akteure vertreten sind. Die Herausforderungen können jedoch einzigartig sein, darunter Ernährungssicherheit, Dürren, Armut, hohe Arbeitslosigkeit, finanzielle Ausgrenzung, hohe und schwankende Wechselkurse, Korruption und mangelnde Infrastruktur. Wie sieht angesichts der Chancen und Risiken, denen Afrika gegenübersteht, die Zukunft des Schadenmanagements aus?
Eine kürzlichvon KPMG durchgeführte weltweite Umfrage unter Versicherungs-CEOsergab, dass die fünf größten Risiken für die Branche im Jahr 2022 folgende sein werden:
- Regulatorisches Risiko
- Steuerrisiko
- Reputationsrisiko
- Cyber
- Neue Technologien
Die Neugestaltung des Schadenmanagements – von der Infrastruktur bis hin zur Kundeninteraktion
Die im KPMG-Bericht hervorgehobenen Bedrohungen zeigen, dass globale Probleme sich mit gewissen Nuancen auf regionale Märkte auswirken werden. So ist beispielsweise der Bereich Cybersicherheit als Produktlinie noch nicht voll ausgereift, und disruptive Technologien stellen in Afrika eher eine Bedrohung dar, während Reputationsrisiken auf diesem Kontinent wahrscheinlich nicht zu den drei größten Risiken zählen werden. Afrika ist gut aufgestellt, um auf diese Herausforderungen zu reagieren, doch wie KPMG berichtet, muss sich der Kontinent den 68 % anschließen, die angaben, ihre Ausgaben für Innovation und Technologie erhöhen zu wollen.
Tatsächlich befindet sich der Markt an einem strategischen Scheideweg. Es gibt ein wachsendes Ökosystem aus InsurTech-Unternehmen, Kompetenzen und Schulungsangeboten, einer besseren Regulierung, einer zunehmenden Verbreitung von Unternehmensrisikomanagement sowie Governance, Risk und Compliance (GRC) und einem starken Interesse an Fusionen und Übernahmen. Die Ausarbeitung der richtigen digitalen Roadmap für eine Transformation im Schadenmanagement kann sich jedoch als schwierig erweisen. Es herrscht Unsicherheit darüber, wie ein guter ROI für Innovationen aussieht, es gibt das ungelöste Problem betrügerischer Schadensfälle, eine flache Wertschöpfungskette, die mehr Konvergenz benötigt, sowie die Frage, wie man dynamischer werden kann, und die Notwendigkeit, den Fokus stärker auf die Kundenorientierung zu legen.
Strategische nächste Schritte
Wie können wir – jenseits der traditionellen und erwarteten Sichtweise – dazu beitragen, den afrikanischen Versicherungs- und Schadenregulierungssektor im Jahr 2022 zu transformieren? Der Ansatz beginnt mit einer Abkehr vom veralteten Versicherungsversprechen hin zu einem technologiegestützten Modell mit authentischem afrikanischem Charakter. Der Schadenregulierungsprozess sollte die Zeichnungsstrategie und die technologischen Fähigkeiten mit menschlichem Gespür und sozialen Kompetenzen verbinden, um das Kundenerlebnis zu verbessern. Letztendlich wird dieser Ansatz Einnahmeverluste beheben, Betrug reduzieren und die Schadenquoten verbessern – was zu einer besseren Kundenbindung und höheren Reinvestitionen führt.
Um diesen Ansatz zu unterstützen, benötigen Unternehmen ein agiles, innovatives Betriebsmodell, das auf das jeweilige Kundensegment zugeschnitten ist. Versicherer verfügen über eine Fülle von Informationen über ihre Kunden, während Unternehmen im Bereich der Risikoprüfung und des Schadenmanagements Einblicke in die Schadenlandschaft haben. Diese Daten können genutzt werden, um Gewohnheiten, Verhaltensweisen und Trends zu erkennen, was dabei helfen kann, Wege zur Entwicklung besserer Produkte zu finden und Cross-Selling-Möglichkeiten bei bestehenden Kunden zu verbessern. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit einer ganzheitlichen, übergreifenden Sicht auf die verschiedenen Teile des Marktes. Beispiele hierfür sind der Einsatz von Telematik bei Kfz-Schäden oder die Erfassung von Daten aus Smart Devices in der Krankenversicherung.
Ein ebenso wichtiger Faktor, den es zu berücksichtigen gilt, ist die große Zahl finanziell ausgegrenzter, unterversorgter Kunden in traditionellen Segmenten, die Zugang, Produkte und Unterstützung benötigen. Es ist von entscheidender Bedeutung, ihnen den Schadenbearbeitungsprozess auf vereinfachte Weise sowohl digital als auch auf traditionellem Wege anzubieten. Darüber hinaus hilft die Entwicklung unterschiedlicher Strategien zur Schadenbearbeitung für verschiedene Segmente den Unternehmen dabei, die nächste Wachstumsstufe zu erreichen. Man sollte bedenken, dass das, was heute in größeren Märkten mit einer tieferen Marktpräsenz wie Nigeria oder Kenia funktioniert, in Äthiopien oder Simbabwe möglicherweise noch nicht anwendbar ist.
Um das Schadenmanagement zu transformieren und die Dynamik in Afrika weiter voranzutreiben, bedarf es einer soliden Strategie mit Experten, die die sich wandelnden globalen Bedrohungen verstehen und Chancen frühzeitig erkennen. Der Aufbau eines nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Ökosystems erfordert starke Partnerschaften zwischen allen Marktakteuren. Letztendlich wird dies dazu führen, dass Versicherungen nicht mehr nur als Notwendigkeit, sondern als Wachstumsbranche wahrgenommen werden.
Australien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Deutschland
Griechenland
Irland
Niederlande
Neuseeland
Norwegen
Spanien und Portugal
Vereinigtes Königreich
Vereinigte Staaten