10. Januar 2022
Von Mark Buckingham, Berater für Rückrufe
Während sich die Elektrogerätehersteller zu einem Rekordumsatzjahr beglückwünschen, bleiben viele hinsichtlich der Aussichten für 2022 vorsichtig, da die neuen Vorschriften zum Reparaturrecht nun ihre Wirkung entfalten.
In mancher Hinsicht war 2021 ein gutes Jahr für die Hersteller von Elektrogeräten. Die Corona-Pandemie hat zu höheren Investitionen in den Wohnbereich geführt und einen Boom beim Online-Einkauf ausgelöst. Der Markt für Haushaltsgeräte wuchs um8 % und stellte damit einen neuen Rekord beim weltweiten Absatzvolumen auf. Doch mit der zunehmenden Anzahl an Geräten und deren Nutzung rückt die Elektroindustrie immer stärker in den Fokus der Umweltdebatte. Es besteht Druck, den Energie- und Materialverbrauch zu senken sowie eine längere Produktlebensdauer zu gewährleisten.
Im März 2021 hat die Europäische Kommission ihre neuenÖkodesign-Maßnahmen vorgestellt, eine Reihe von Vorschriften, die dazu beitragen sollen, eine kreislauforientierte und nachhaltigere Wirtschaft zu fördern. Damit werden die Hersteller aufgefordert, Produkte herzustellen, die langlebiger und leichter zu reparieren sind. Aufgrund der neuen Anforderungen müssen Hersteller von Waschmaschinen, Geschirrspülern, Kühlschränken, Fernsehern und Bildschirmen Ersatzteile und Reparaturdokumentationen für professionelle externe Reparaturbetriebe leichter zugänglich machen. Ersatzteile müssen innerhalb von 15 Werktagen verfügbar sein, und die Hersteller müssen diese je nach Produkttyp sieben bis zehn Jahre lang bereitstellen.
Im Juli wurden im Vereinigten Königreich ähnliche Vorschriften eingeführt. In beiden Fällen müssen Hersteller die „Reparierbarkeit“ in ihre Konstruktionen, Fertigung und Prozesse einbeziehen. Bei Nichteinhaltung dieser Vorschriften kann der Verkauf ihrer Produktreihen eingeschränkt oder ein Rückruf veranlasst werden.
Der Beginn einer größeren Reise hin zu umfassenderer Nachhaltigkeit.
Der Zugang der Verbraucher zu Informationen über die Langlebigkeit, Reparierbarkeit und sogar die Aufrüstbarkeit von Produkten direkt am Verkaufsort wird von manchen als der richtige nächste Schritt angesehen. Frankreich hat als erstes EU-Land einen „Reparierbarkeitsindex“ eingeführt, der Verbraucher dazu anregen soll, langlebigere Güter zu kaufen, und Hersteller dazu, reparierbarere Produkte herzustellen. Sollte sich dies als erfolgreich erweisen, könnte die Europäische Kommission die Einführung eines ähnlichen, EU-weit gültigen Reparierbarkeitsindexes in Betracht ziehen.
In Deutschland setzt sich die Bundesregierung dafür ein, die Rechtsvorschriften zum Recht auf Reparatur noch weiter zu stärken – und treibt dabei die Umsetzung entsprechender Gesetze für Smartphones und Tablets voran. Dies würde die Hersteller dazu verpflichten, Ersatzteile zu angemessenen Preisen anzubieten und Sicherheitsupdates sieben Jahre lang bereitzustellen. Zudem hofft sie, die EU davon zu überzeugen, diesem Beispiel zu folgen.
Im Jahr 2022 könnten Hersteller mit Rückrufaktionen für Produkte konfrontiert sein, die als nicht ausreichend reparierbar gelten.
Es ist noch nicht absehbar, wie sich die anhaltende Halbleiterknappheit und die durch COVID bedingten Störungen in der Lieferkette auf die künftige Verfügbarkeit von Bauteilen und Produkten auswirken werden. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, müssen die Erstausrüster ihre Rückrufprozesse mit neuen Augen betrachten und ihre Abhilfemaßnahmen, Versicherungs- und Rückrufpläne entsprechend aktualisieren und erneut prüfen.
Mit dem Inkrafttreten des Rechts auf Reparatur müssen Hersteller über die bloße Produktkonformität hinaus auch Themen berücksichtigen, die in der Praxis auftauchen werden. Zum Beispiel die Frage, wie sich die Risiken in Bezug auf Produktsicherheit und Produkthaftung mindern lassen, die entstehen, wenn Verbraucher sich dafür entscheiden, Produkte selbst zu reparieren, anstatt die Hilfe eines Experten in Anspruch zu nehmen. Andernfalls könnte es zu Konflikten kommen, verbunden mit einer Zunahme von Produkthaftungsansprüchen, übermäßigen Rückrufaktionen und einem erhöhten Bedarf an Korrekturmaßnahmen.
Um mehr über den Auf- und Abschwung von Rückruftrends zu erfahren und zu lernen, wie man sich darauf vorbereitet, laden Sie die neueste Ausgabe unseres Bericht zum europäischen Rückrufindexherunter.
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