Von Lisa Orr, leitende Beraterin für Human Factors

Der rasche Übergang zum Homeoffice während der COVID-19-Pandemie führte dazu, dass viele Homeoffice-Lösungen schnell und ohne Rücksicht auf langfristige Aspekte eingerichtet wurden.

Da seit Beginn der Pandemie nun bereits zwei Jahre vergangen sind, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, diese – einst als vorübergehend angesehenen – Regelungen erneut zu überdenken. Hier kommen die Prinzipien der Ergonomie ins Spiel.

Unabhängig davon, ob ein Mitarbeiter von zu Hause aus, im Büro oder im Rahmen eines hybriden Modells arbeitet – die Schaffung einer sicheren und effektiven Arbeitsumgebung ist von entscheidender Bedeutung. Die Ergonomie befasst sich mit den menschlichen Eigenschaften und der Anwendung dieses Wissens auf die Gestaltung von Aufgaben, Arbeitsmitteln und Umgebungen, um eine angemessene Abstimmung zu gewährleisten. Das Ziel der Ergonomie ist es, die Leistungsfähigkeit zu verbessern und die Gesundheit sowie die Sicherheit des Einzelnen zu schützen.

Zu Hause im Vergleich zum Büro

Wenn Sie bisher in einer Büroumgebung gearbeitet haben, sind Ihnen Ergonomieprogramme wahrscheinlich nicht fremd. Doch die für das Büro entwickelten Standards lassen sich nicht immer ohne Weiteres übertragen, da die Räumlichkeiten unterschiedlich sind. Manche Menschen verfügen nicht über ausreichend Platz, um ein Heimbüro einzurichten. Andere teilen sich den Raum möglicherweise mit Kindern oder älteren Eltern. Ganz zu schweigen davon, dass diejenigen, die im Büro aufgrund von Verletzungen oder Behinderungen auf besondere Vorkehrungen angewiesen sind, zu Hause nicht immer über dieselben Möglichkeiten verfügen.

Erkrankungen des Bewegungsapparats am Arbeitsplatz

Diese Faktoren können zu ungünstigen Arbeitshaltungen und vermehrten repetitiven Bewegungen führen, die beide als berufliche Risikofaktoren für die Entstehung einer arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankung (MSE) gelten. MSE können schwerwiegende Folgen haben, wenn sie nicht frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden. Lautdem „$afety Pays“-Kostenrechner der OSHA können die Kosten für einen einzelnen Fall von Karpaltunnelsyndrom bis zu 64.953 US-Dollar betragen, wobei sowohl direkte als auch indirekte Kosten berücksichtigt sind.

Darüber hinaus zeigen unsere jüngsten Erfahrungen, dass die Zahl der gemeldeten Schadensfälle zurückgeht, sobald Mitarbeiter beginnen, von zu Hause aus zu arbeiten. Dies gilt insbesondere für die Kategorien „Sturz/Ausrutschen/Stolpern“ und „Zusammenstoß/Angestoßenwerden“. Die gemeldeten Schadensfälle – insbesondere solche im Zusammenhang mit wiederholten Bewegungen oder kumulativen Traumata –sindjedoch tendenziell schwerwiegender.

Häufige Fehler, die Mitarbeiter machen

Bei der Einrichtung einer Arbeitsumgebung sowohl zu Hause als auch im Büro gibt es mehrere Faktoren, die nicht immer berücksichtigt werden – was in erster Linie auf der Annahme beruht, dass alle Mitarbeiter über einen eigenen Büroraum verfügen und ihre Laptops nicht im Bett, auf dem Boden oder auf dem Sofa nutzen. Aus unserer Erfahrung haben wir Folgendes beobachtet:

  • Zu hohe Arbeitsflächen, sowohl Schreibtische als auch Küchentische. Dies kann dazu führen, dass man beim Tippen die Schultern hochzieht, die Handgelenke beugt und auf der Vorderkante der Arbeitsfläche abstützt – oder beides.
  • Laptop-Bildschirme und Monitore, die zu tief oder seitlich versetzt positioniert sind – was zu einer gekrümmten und verdrehten Haltung des Nackens führt.
  • Eine gekrümmte Haltung oder das lange Vorbeugen während der Arbeit. Dies kann verschiedene Ursachen haben, darunter schlecht sitzende Stühle oder eine ungeeignete Anordnung der Computerausstattung.
  • Füße, die weder auf dem Boden noch auf einer Fußstütze aufliegen.

Nächste Schritte

Um das Risiko von Muskel-Skelett-Erkrankungen und anderen damit verbundenen Verletzungen zu verringern, sollten Sie als ersten Schritt Ihr Ergonomieprogramm überprüfen. Fragen, die Sie sich stellen sollten:

  1. Verfügen Sie über ein Ergonomieprogramm? Wenn ja, ist es auf dem neuesten Stand und berücksichtigt es die Arbeitsabläufe für Mitarbeiter, die dauerhaft im Homeoffice, im Büro und/oder im Rahmen eines Hybridmodells arbeiten?
  2. Verfügt Ihr Unternehmen über Maßnahmen, um alle Mitarbeiter in Ergonomie zu schulen und sie möglicherweise dazu anzuregen, ihre Arbeitsplätze selbst zu überprüfen?
  3. Falls Sie Ihre Büroräume während der Pandemie umgestaltet haben, haben Sie darüber nachgedacht, zusätzliche Schulungen anzubieten, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter wissen, wie sie ihre neuen Geräte richtig einstellen?
  4. Wie sind Sie darauf vorbereitet, Mitarbeiter im Homeoffice bei der Einrichtung ihres Arbeitsplatzes zu unterstützen?

Individuelle ergonomische Begutachtungen können aus der Ferne durchgeführt werden, und häufig lassen sich bereits während der Begutachtung zahlreiche Anpassungen an den vorhandenen Möbeln des Mitarbeiters vornehmen. Für Mitarbeiter, die nach einem hybriden Arbeitsmodell arbeiten, können ergonomische Hilfsmittel und Computerausstattung, die speziell für den Einsatz unterwegs konzipiert wurden, von Vorteil sein.

Der Inhalt dieses Blogs wurde ursprünglicham Dienstag, dem 12. April, auf der RIMS-Konferenz und -Messe 2022 gemeinsam mit Dawn Watkins, Leiterindes integrierten Behindertenmanagements beim Los Angeles Unified School District,erörtert.

Weitere Informationen finden Sie in unseremPodcast.