24. November 2021
Von Mark Buckingham, Berater für Rückrufe
Die europäischen Verbraucher haben schon immer großes Interesse an Gesundheit und Wohlbefinden gezeigt. Aber werden Vitamine und Mineralstoffe so behandelt, wie sie es verdienen?
Während der COVID-19-Pandemie hat sich die Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln in Europa mehr als verdoppelt – von31 % auf 69 %–, da die Menschen versuchten, ihr Immunsystem zu stärken und das Virus in Schach zu halten. Die Spitzennachfrage wurde oft eher durch Beiträge in sozialen Medien als durch wissenschaftliche Fakten angetrieben, was zu einem Boom bei Produkten wie Vitamin D führte.
Seit 2002 hat die EU die Rechtsvorschriften im Bereich Vitamine durch dieRichtlinie 2002/46/EGüber Nahrungsergänzungsmittel harmonisiert. Dies schützt die Verbraucher vor potenziellen Gesundheitsrisiken und stellt sicher, dass sie keine irreführenden Informationen erhalten. Die Richtlinie regelt jedoch in erster Linie Fragen des Inhalts, der Hygiene und der Kontamination. Sie sieht nicht die strengen pharmazeutischen Vorschriften vor, die für medizinische Produkte erforderlich sind.
Beobachtung aktueller Sicherheitstrends
In den Jahren 2020 und 2021 gab es 24 Warnmeldungen im Zusammenhang mit Vitaminen und Mineralstoffen. 42 % davon waren schwerwiegend. Die häufigste Ursache war ein zu hoher Vitamingehalt, typischerweise bei Vitamin A, D3, B6, B12 und B9.
In der Branche bestehen zudem Bedenken hinsichtlich Wechselwirkungen zwischen den Inhaltsstoffen in komplexen Rezepturen, die zu Problemen mit der Produktstabilität führen können. Nach Angaben eines Branchenvertreters wurden lediglich10 %der Fertigprodukte einer Stabilitätsprüfung unterzogen.
Zudem beziehen Verbraucher preisgünstige Nahrungsergänzungsmittel zunehmend über Online-Marktplätze. Um die Kosten niedrig zu halten, ist es unwahrscheinlich, dass diese Anbieter den Stabilitätsprüfungen und der Qualitätssicherung im Hinblick auf die Haltbarkeit große Aufmerksamkeit gewidmet haben.
Die Frage der Stabilität
Warum ist das wichtig? Die Eigenschaften eines Vitamins können sich je nach Umgebung und Behandlung ändern, insbesondere in Kombination mit anderen Chemikalien. Folglich können sich die Eigenschaften und die Wirkstärke während der Lagerung verändern. Verbraucher erhalten unter Umständen weniger Wirkstoffe, als sie bezahlt haben. Unter bestimmten Umständen könnte es auch dazu kommen, dass sie eine zu geringe Dosis einnehmen, was zu einem Mangel führt, der wiederum ihre Gesundheit beeinträchtigen könnte.
Da beliebte Vitaminformen wie „Gummibärchen“ mehr Zutaten enthalten, um sie schmackhaft zu machen, neigen sie eher zu Stabilitätsproblemen. Dies kann manche Hersteller dazu verleiten,bestimmte Vitaminein weitaus größeren Mengen beizumischen,als auf dem Etikett angegeben, um sicherzustellen, dass das Produkt während seiner gesamten Haltbarkeitsdauer mindestens 100 % der angegebenen Mengen liefert.
Sollten Verbraucher besorgt sein?
Einige Berichtebringen eine übermäßige Nährstoffaufnahme mit Gesundheitsproblemen in Verbindung, darunter ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten, was diese Praxis potenziell gefährlich macht. Dies wirft zudem die Frage auf, ob Vitamine und Mineralstoffe als Nahrungsergänzungsmittel (wie derzeit) oder als Arzneimittel behandelt werden sollten, was wesentlich strengere Prüfungen und Kontrollen mit sich bringen würde.
Da medizinische Fachkräfte in Europa ihren Patienten zunehmend Vitamin- und Mineralstoffpräparate zur Bekämpfung und Vorbeugung von Gesundheitsproblemen empfehlen, ist davon auszugehen, dass weitere Maßnahmen zur Harmonisierung von Standards und zur Klärung von Grauzonen ergriffen werden.
Angesichts steigender Verbrauchs- und Produktionsmengen sollten Hersteller und Händler ihre Produkte weiterhin überwachen, um die Dosierungsgenauigkeit und -stabilität sicherzustellen, und auf Rückrufe vorbereitet sein – insbesondere, wenn ihre Produkte Vitamine enthalten, die bei übermäßiger Einnahme schädlich sein können.
Erfahren Siehier in unserem aktuellen Rückrufindex mehr zu diesem Thema und anderen Trends im Bereich Lebensmittelsicherheit.
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