Von Gastautorin: Nicola Smith

Vorwort von Julie Ross, Leiterin der Abteilung für internationale Geschäftsentwicklung bei Sedgwick:

Willkommen zur neuesten Ausgabe von „Spotlight“. Mit „Spotlight“ möchten wir Einblicke und Perspektiven unserer strategischen Partner – Rechtsanwälte, Versicherer, Risikomanager und Experten für Krisenkommunikation aus verschiedenen Branchen – zu Fragen der Produktsicherheit vermitteln, die die Sichtweise eines Unternehmens auf Vorfälle auf dem Markt und das Krisenmanagement beeinflussen können.

In dieser Ausgabe ist Nicola Smith, Direktorin bei Squire Patton Boggs, zu Gast, die ihre Einschätzung dazu abgibt, wie sich die Situation bei Rückrufaktionen für in Europa und im Vereinigten Königreich tätige Lebensmittel- und Getränkeunternehmen verändert.

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Rückrufe von Lebensmitteln in der EU und im Vereinigten Königreich nehmen zu und gewinnen an Ausmaß. Dies ist vor allem auf strengere Vorschriften, die zunehmende Komplexität globaler Lieferketten und die Konzentration bestimmter Zutaten bei einer geringeren Anzahl von Lieferanten zurückzuführen. Diese Faktoren können zusammen eine Kettenreaktion auslösen, bei der ein einziger Rückruf zahlreiche Hersteller, Marken und Verbraucher in mehreren Ländern betreffen kann, was zu Reputationsschäden und hohen finanziellen Verlusten führt. Doch welche konkreten Risiken oder Einflussfaktoren werden voraussichtlich zu einer Zunahme von Rückruf- und Durchsetzungsmaßnahmen im Jahr 2022 führen?

Pestizidbelastung

Der im August 2021 veröffentlichte Jahresbericht 2020 des Schnellwarnsystems für Lebens- und Futtermittel (RASFF) zeigte einen deutlichen Anstieg der Meldungen in den letzten Jahren. Es überrascht nicht, dass das Vorhandensein von Ethylenoxid (einem nicht zugelassenen Pestizid) in Nüssen, Nussprodukten und Samen das am häufigsten gemeldete Problem war; gefolgt von Pestizidrückständen in Obst und Gemüse. Ein Hauptgrund für diese Zahlen war ein schwerwiegender Fall von Lebensmittelkontamination im September 2020, als Belgien hohe Ethylenoxidwerte in Sesamsamen aus Indien meldete. Dem Bericht zufolge führte dieses einzelne Ereignis zu einer beispiellosen Aktivität, wobei das RASFF zu einer Plattform für den Informationsaustausch über Ethylenoxid-Befunde wurde, während Unternehmen betroffene Produktchargen identifizierten und deren Vertrieb zurückverfolgten. Es bleibt abzuwarten, ob der Fokus weiterhin auf den Pestizidgehalten in Lebensmitteln liegen wird, insbesondere angesichts wachsender Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt.

Bedenken hinsichtlich der Verpackung

Ebenfalls erwähnenswert ist, dass die französische Wettbewerbsbehörde eine „Mitteilung der Beschwerdepunkte“ herausgab, die faktisch als Anklageschrift gegen mutmaßliche Kartellteilnehmer diente. Das Dokument richtete sich gegen mehr als 100 Unternehmen und Branchenverbände wegen angeblicher Absprachen hinsichtlich der Verwendung von Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen, vor allem in Konservendosen. Die französische Wettbewerbsbehörde wirft diesen Unternehmen vor, das Vorhandensein dieser in Frankreich verbotenen Chemikalie in Lebensmittelverpackungen nicht offengelegt zu haben. Diese Untersuchung, die offenbar gleichermaßen auf Lieferanten und Abnehmer solcher Verpackungen abzielt, untermauert die Ansicht, dass Lebensmittelkontaktmaterialien aller Art in den kommenden Jahren unter genauer Beobachtung stehen könnten, was möglicherweise zu einer Zunahme von Rückrufaktionen bei Lebensmittelverpackungen führen könnte.

Umwelt und Nachhaltigkeit

Da der Umweltschutz auf der Prioritätenliste der Regierungen immer weiter nach oben rückt, werden weitere neue Gesetze eingeführt, um unter anderem den Klimawandel, das Abfallproblem und nicht recycelbare Produkte anzugehen. So wurde beispielsweise im Dezember 2019 der „European Green Deal“ vorgestellt. Darin erklärte die Europäische Kommission, dass sie an die Kunststoffstrategie anknüpfen und sich auf die Umsetzung neuer Rechtsvorschriften konzentrieren werde. Dazu gehören Ziele und Maßnahmen zur Bekämpfung von Überverpackung und Abfallaufkommen, gesetzliche Vorgaben zur Förderung des Marktes für Sekundärrohstoffe mit vorgeschriebenem Recyclinganteil, Anforderungen, die sicherstellen sollen, dass alle Verpackungen auf dem EU-Markt bis 2030 wiederverwendbar oder auf wirtschaftlich tragfähige Weise recycelbar sind, sowie die Einführung eines Rechtsrahmens für biologisch abbaubare und biobasierte Kunststoffe. Diese Regelungen sind bereits in Kraft oder sollen bis 2024 europaweit in Kraft treten.

Dieser Trend ist auch im Vereinigten Königreich zu beobachten, wo landesweit sowie in der gesamten EU neue Gesetze zu Kunststoffverpackungen in Kraft treten und die Möglichkeit besteht, dass in Zukunft Kennzeichnungspflichten hinsichtlich der Recyclingfähigkeit eingeführt werden. In Verbindung mit einem europaweiten harten Vorgehen gegen „Greenwashing“ – irreführende Angaben zur Umweltfreundlichkeit eines Produkts – könnte die Lebensmittelindustrie mit neuen Gründen konfrontiert werden, ein Produkt vom Markt zu nehmen oder zurückzurufen (da solche Probleme wirtschaftliche Folgen haben können, selbst wenn ein Rückruf rechtlich nicht vorgeschrieben ist, weil das Produkt nicht unsicher ist).

Einfluss der Verbraucher

Schließlich sollten Sie die Macht der Verbraucher auf dem Markt nicht unterschätzen, auch nicht, wenn es um Rückrufe geht. Die Verbraucher achten zunehmend darauf, wie Unternehmen auf fehlerhafte oder verunreinigte Produkte reagieren. Sie bestimmen die Agenda immer stärker durch ihre Kaufentscheidungen und in den sozialen Medien. Und je einflussreicher eine Person ist, desto mehr Aufmerksamkeit wird dem geschenkt, was sie online sagt. Sie müssen keine Prominenten sein, um Reputationsschaden anzurichten – es reicht aus, wenn sie in der Lage sind, über Twitter, Facebook usw. Aufmerksamkeit zu erregen. Dies könnte auch zu mehr Rückrufaktionen führen, die nicht sicherheitsbedingt sind – zum Beispiel Rückrufe aufgrund von Enthüllungen über die angebliche Herkunft eines Lebensmittels oder Details zur Lieferkette, wie der mutmaßliche Einsatz von Kinderarbeit oder die Nichteinhaltung von Fair-Trade-Standards. Unterm Strich ist davon auszugehen, dass wir in Zukunft mehr Rückrufaktionen in größerem Umfang erleben werden, da der Druck auf die Lieferketten zunimmt und sich die Gesetzgebung sowie das Verbraucherbewusstsein weiterentwickeln.

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Über unseren Gastautor

Nicola Smith berät zu allen Aspekten des Lebensmittel- und Getränkerechts, einschließlich Informations- und Allergenvorschriften, Kennzeichnung, Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit, Hygiene, gesundheitsbezogenen Angaben, Meldepflichten, Rückrufmaßnahmen sowie zu allen Aspekten strafrechtlicher Ermittlungen, Strafverfolgungsmaßnahmen und anderer Verfahren im Zusammenhang mit dem Lebensmittel- und Getränkerecht und Fragen der Produkthaftung.

Nicola Smith ist auf die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften spezialisiert. Ihre Fachkenntnisse umfassen das Lebensmittel- und Futtermittelrecht sowie allgemeine Produktkonformität, Produktsicherheit und Rückrufmaßnahmen. Als Mitglied der Praxisgruppe für Umwelt, Sicherheit und Gesundheit bei Squire Patton Boggs verfügt sie über fundierte Kenntnisse und Fachkompetenz im Lebensmittel- und Getränkebereich, die sie durch ihre langjährige Tätigkeit für Mandanten aus den Bereichen Lebensmittelherstellung, Brauerei, Vertrieb, Einzelhandel und Gastgewerbe erworben hat.

Nicola hält regelmäßig Vorträge und führt Schulungen zu aktuellen Themen des Lebensmittelrechts für Mandanten und andere Interessierte durch, darunter Mitglieder der Food and Drink Federation. Sie hat bereits zweimal vor Vertretern der chinesischen Lebensmittel- und Arzneimittelaufsichtsbehörde referiert, die zu einem Besuch im Vereinigten Königreich waren, um sich über die Anwendung der Gesetze zu Arzneimitteln, Lebensmitteln und Getränken zu informieren; außerdem hat sie für die Lebensmittelausgabe der Publikation der American Bar Association (ABA) einen Artikel über Rückrufaktionen aufgrund von Kennzeichnungsfehlern verfasst.