15. Februar 2023
Von Andrew Cavan, Direktor und Leiter des Bereichs Groß- und komplexe Schäden (Nord)
Wie die„Financial Times“ berichtete, bestätigte der Chef eines der weltweit größten Baustoffkonzerne am 31. August 2022, dass er nach dem Anstieg der Gaspreise eine „zweite Welle von Kostensteigerungen“ beobachte.
Die explodierenden Energiepreise sind nur der jüngste Faktor in der Reihe globaler Ereignisse, die zu hoherInflationund einer Rezession in Großbritannien geführt haben – und derzeit gibt es kaum Anzeichen dafür, dass sich diese Marktunsicherheit in naher Zukunft bessern wird.
Wie wird sich dies also im Jahr 2023 auf die Kosten der Versicherer für Schadenersatzansprüche im Zusammenhang mit der Wiederherstellung von Sachwerten und Betriebsunterbrechungen (BI) auswirken?
Material- und Arbeitskosten
Es ist allgemein bekannt, dass die weltweite Verknappung vieler grundlegender Baumaterialien die Preise in die Höhe treibt, und der anhaltende Krieg in der Ukraine hat dieses Problem noch verschärft. Europa ist in hohem Maße von russischen Gaslieferungen abhängig, und Russland liefert 20 % des weltweiten Nadelholzes. Die Ukraine ist ein globaler Produzent von Metallen – Nickel, Kupfer und Eisen – und jede Verknappung hat erhebliche Auswirkungen auf die Produktion und Versorgung mit Stahl, der für mehrere Branchen, insbesondere für das Bauwesen, von entscheidender Bedeutung ist.
Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass sich das Ausmaß dieser Preissteigerungen verlangsamt, und bei einigen Holzprodukten waren sogar Preisrückgänge zu beobachten. Der derzeit wichtigste Faktor sind jedoch die steigenden Energiekosten, insbesondere bei der Herstellung energieintensiver Produkte wie Ziegel und Stahl.
Höhere Preise sind nicht das einzige Problem, das es zu berücksichtigen gilt. Auch die langen Lieferzeiten bei vielen Materialien verursachen erhebliche Schwierigkeiten: Bei Produkten wie Stahlträgern, Dachbahnen und Dämmstoffen haben sich die Lieferzeiten mehr als verdoppelt.
Auch im Vereinigten Königreich steigen die Arbeitskosten aufgrund des Brexits, der „Great Resignation“ nach der Corona-Pandemie und eines allgemeinen Fachkräftemangels – von Klempnern und Elektrikern bis hin zu Lkw-Fahrern. Arbeitgeber bieten höhere Gehälter an, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, was zu höheren Kosten führt. Und so geht es weiter.
Wann wird das endlich ein Ende haben?
Alles deutet darauf hin, dass die Baukosten im Jahr 2023 weiter steigen werden, was sich offensichtlich auf die Schadensregulierungen bei Sachschäden und Betriebsunterbrechungen auswirken wird. Der „Building Cost Information Service“, der führende Anbieter von Kosten- und Preisdaten für die britische Bauindustrie, verzeichnet derzeit einen Anstieg der gemeldeten Zahlen um 8,5 % gegenüber dem Vorjahr und prognostiziert für das erste Quartal 2023 einen Wert von 7,5 %.
Das Team für Baukostenberechnung im Bereich Reparaturlösungen von Sedgwick prognostiziert für den Markt für Gebäudereparaturen im Versicherungsbereich im Jahr 2023 eine Inflationsrate von 6 %. Dabei wird von einer gewissen Marktstabilität ausgegangen, wodurch die Materialkosten allmählich sinken werden.
In der Praxis gibt es jedoch nach wie vor zahlreiche Bauaufträge, und Bauunternehmer können es sich leisten, bei der Auswahl ihrer Aufträge wählerisch zu sein. In letzter Zeit kam es vermehrt vor, dass Bauunternehmer die Teilnahme an Ausschreibungen ablehnten und Projekte nicht annahmen, da sich die Kosten seit der Abgabe ihrer Angebote verändert hatten. Die Unterstützung durch ein zuverlässiges und starkes Netzwerk von Bauunternehmern wird von entscheidender Bedeutung sein, wenn wir in den kommenden Monaten verschiedene Herausforderungen bewältigen müssen.
Maßnahmen zur Schadensminderung
Schadensregulierer und Versicherer können die Marktkräfte zwar nicht beeinflussen, aber wir können mit pragmatischen und flexiblen Lösungen darauf reagieren. Planung ist entscheidend, und wir müssen uns potenzieller Verzögerungen und Engpässe in der Lieferkette bewusst sein und darauf vorbereitet sein, diese zu umgehen.
Bei der Wiederherstellung von Gebäuden sollten Bestellungen für kritische Materialien so schnell wie möglich aufgegeben werden, wobei frühzeitige Zahlungen an Auftragnehmer dabei hilfreich sein können. Wir könnten auch verschiedene Wiederherstellungsmethoden oder -materialien in Betracht ziehen, sofern dies wirtschaftlich sinnvoll und angemessen ist, sowie den Einsatz eines einzigen Auftragnehmers, wenn dies Zeit spart und Betriebsausfallkosten senkt. Bei der Bewertung von Anlagen und Maschinen könnten wir geeignete Gebrauchtgeräte in Betracht ziehen. Frühzeitige Barauszahlungen könnten dem Kunden zudem in Bezug auf den Cashflow helfen und dazu beitragen, Unsicherheiten sowohl für Versicherungsnehmer als auch für Versicherer zu bewältigen.
Im Grunde möchte jeder in der Versicherungsbranche vermeiden, dass es aufgrund von Unterversicherung oder Deckungslücken zu einer Kürzung der Versicherungsleistungen kommt, wenn die Versicherungssummen ausgeschöpft sind.
Angemessenheit des Versicherungsschutzes
Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage ist es wirklich unerlässlich, dass Unternehmen den Wert ihrer Vermögenswerte regelmäßig überprüfen. Sind die Versicherungssummen nicht auf dem neuesten Stand, könnten die Auswirkungen der anhaltenden und prognostizierten Inflationsraten dramatisch sein.
Lange Lieferzeiten bei Materialien können die Geschwindigkeit von Gebäudereparaturen beeinträchtigen, was bedeutet, dass sich die Betriebsunterbrechungen verlängern. Auch die Beschaffung von Ersatzmaschinen und Lagerbeständen dürfte länger dauern, was wiederum die rasche Wiederherstellung des Geschäftsbetriebs beeinträchtigen wird.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Versicherungssummen und die Pläne zur Wiederherstellung des Geschäftsbetriebs zu überprüfen – sowohl hinsichtlich der Höchstentschädigungsfristen für Sachschäden als auch für Betriebsunterbrechungen. Dies wird den Kunden helfen, jede Phase der Störung zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen. Angesichts der anhaltenden weltweiten wirtschaftlichen Unsicherheit ist es wichtiger denn je, sicherzustellen, dass wir bereit und bestens gerüstet sind, um die bevorstehenden Herausforderungen zu bewältigen.
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