Von Julie Ross, Leiterin der Abteilung für internationale Geschäftsentwicklung

Nun, da wir eine der turbulentesten und unsichersten Phasen der jüngeren Geschichte hinter uns lassen, sehnen sich die Verbraucher nach einer Rückkehr zur Normalität, und Ökonomen prognostizieren einen Aufschwung, da die Weihnachtszeit näher rückt.

Angesichts der nach wie vor großen Unsicherheit scheint das einzige, dessen wir uns wirklich sicher sein können, das zunehmende Reputationsrisiko in allen Branchen zu sein.

Vor dem Hintergrund immer strengerer Vorschriften sind Unternehmen bestrebt, mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen. Die Produktion wurde durch Probleme in der Lieferkette und Betriebsunterbrechungen beeinträchtigt. Die Verlagerung von physischen auf digitale Kanäle hat weltweit eine Nachfrage der Verbraucher nach immer günstigeren Waren ausgelöst – und damit den Weg für gefälschte Produkte geebnet. Infolgedessen besteht die Gefahr, dass Qualität, Echtheit und die Einhaltung von Vorschriften beeinträchtigt werden.

Unser aktuellerRückrufindex für das dritte Quartal 2021deutet darauf hin, dass die Zahlen wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen und in einigen Branchen sogar darüber liegen könnten. Obwohl in fünf von sieben Branchen die Zahl der Rückrufe vom zweiten zum dritten Quartal 2021 zurückgegangen ist, sind sechs Branchen weiterhin auf Kurs, das Niveau von 2020 zu übertreffen.

Wenn wir uns die einzelnen Kategorien genauer ansehen, haben unsere Daten Folgendes ergeben:

  • Die Rückrufaktionen in der Automobilbranchegingen im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal um 14 % zurück (152 gegenüber 177), liegen aber immer noch um 14 % über dem Quartalsdurchschnitt der letzten 15 Jahre. Die Umweltbedenken haben stark zugenommen, wobei allein die Vorfälle im dritten Quartal bereits die Gesamtzahl des Jahres 2020 erreichten. Es ist wahrscheinlich, dass die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen und Fahrerassistenzsystemen im Jahr 2022 neue Risiken mit sich bringen wird.
  • Die Rückrufe von Lebensmitteln und Getränkenstiegen im dritten Quartal zum dritten Mal in Folge – was 2021 möglicherweise zu einem Rekordjahr für Rückrufe machen könnte – von 1.120 im zweiten Quartal auf 1.178 im dritten Quartal 2021. Verunreinigungen (außer bakteriellen) waren die häufigste Ursache, wobei Ethylenoxid an erster Stelle stand. Bakterielle Verunreinigungen, allen voran Salmonellen, waren die zweithäufigste Ursache. Verpackungsmängel und Falschkennzeichnungen verzeichneten jeweils den größten Anstieg, und Obst und Gemüse blieben die am häufigsten zurückgerufenen Produkte.
  • Die Rückrufe im Pharmasektorgingen im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal um 29 % zurück, dennoch liegen die Zahlen seit Jahresbeginn bereits um 11 % über denen von 2020. Bei diesem Tempo wird das Jahr 2021 das Niveau von 2018 übertreffen. Sicherheitsrisiken standen drei Quartale in Folge an erster Stelle, gefolgt von Verunreinigungen/Fremdkörpern und Spezifikationsabweichungen. Ein Drittel aller Rückrufe hatte seinen Ursprung in Frankreich.
  • Die Zahl der Rückrufe von Medizinproduktenstieg im dritten Quartalgegenüber dem zweiten Quartal um fast 6 %, wobei die Zahlen seit Jahresbeginn bereits den Gesamtwert von 2020 übersteigen. Software ist der Hauptgrund für Rückrufe, gefolgt von Herstellungsfehlern. Die neue Medizinprodukteverordnung (MDR) trat im Mai 2021 in Kraft und könnte im Zuge ihrer Umsetzung zu noch mehr Rückrufen führen.
  • Konsumgüter:Eine unstillbareNachfrage, ein begrenztes Angebot und die zunehmende Verbreitung des E-Commerce führen zu einer steigenden Verbreitung von Produktfälschungen. Schätzungen zufolge sind mittlerweile 6,8 % der EU-Importe im Wert von 121 Milliarden Euro gefälscht. Vorgeschlagene Änderungen der Produktsicherheitsgesetze könnten Hersteller und Verkäufer zunehmend belasten.
  • Die Rückrufe im Bekleidungssektorhaben sich im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal halbiert, liegen jedoch weiterhin um 11 % über dem Durchschnitt des Jahres 2020, was darauf hindeutet, dass die Rückrufe im Jahr 2021 die Vorjahreszahlen um rund 13 % übersteigen könnten. Verletzungen machen ein Drittel der Risiken aus, gefolgt von chemischen und physikalischen Gefahren. Kinderbekleidung ist nach wie vor die am häufigsten zurückgerufene Produktkategorie.
  • Die Rückrufe von Elektronikartikelngingen im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal um 5 % zurück, liegen jedoch weiterhin um 26 % über dem Quartalsdurchschnitt des Jahres 2020. USB-Ladegeräte waren die am häufigsten zurückgerufenen Produkte, und Stromschläge waren der häufigste Grund für Rückrufe. Eine neue Dimension in der Rückruflandschaft bilden die Vorschriften zum Recht auf Reparatur.
  • Spielzeug: Nach zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit rückläufigen Zahlen haben sich die Rückrufe im dritten Quartal stabilisiert. Da jedoch die Weihnachtszeit näher rückt und die Käufer in Scharen auf Online-Marktplätze strömen, rechnen wir mit einem spürbaren Anstieg. Plastikpuppen sind nach wie vor die am häufigsten zurückgerufenen Artikel, und Erstickungsgefahren sind die häufigste Ursache.

Da die Risiken und Rückrufaktionen unvermindert anhalten, müssen Unternehmen alle Fertigungsprozesse gründlich neu bewerten und ihre Partner in der Lieferkette sorgfältig prüfen. Dazu gehört, bereits jetzt Zeit und Ressourcen zu investieren, um das Rückrufmanagement, die Krisenkommunikationspläne und die Versicherungspolicen im Hinblick auf das Jahr 2022 zu überprüfen.

In diesem Zusammenhang können kompetente Partner Ihnen Erkenntnisse liefern, die Ihnen unnötige Kosten im Zusammenhang mit regulatorischen Anforderungen und Rechtsstreitigkeiten ersparen können. Angesichts der rasanten Entwicklung von Märkten, Nachfrage und Vorschriften können ihre Erkenntnisse Ihnen dabei helfen, Ihre Kunden besser zu schützen und die Einhaltung von Vorschriften reibungsloser zu gestalten. Stellen Sie sicher, dass Sie die Risiken kennen und wissen, was auf Sie zukommt.

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