Diskussionen über extreme Wetterereignisse, steigende Inflation sowie anhaltenden Arbeitskräftemangel und Probleme in der Lieferkette sind mittlerweile an der Tagesordnung; denn diese Entwicklungen wirken sich auf unser Leben, unsere Unternehmen – und sogar auf unsere Versicherungen – aus. Die zunehmende Komplexität und Schwere von Schadensfällen scheint nicht nachzulassen, und es ist wichtig, die Faktoren zu untersuchen, die diesen Trend vorantreiben, sowie dessen mögliche Auswirkungen auf die Bereiche Sach- und Haftpflichtschäden.

Die Auswirkungen des Klimawandels

Weltweit beobachten wir immer mehr extreme Wetterereignisse und -bedingungen, die immer häufiger auftreten – was zu einer beispiellosen Zahl von Schadensfällen führt, von denen ein höherer Anteil durch erhebliche Komplexität und Schwere gekennzeichnet ist. 

Laut einemBericht von Aon kam es im ersten Halbjahr 2023 zu erhöhten Katastrophenschäden, deren wirtschaftliche Auswirkungen die fünftgrößten seit Beginn der Aufzeichnungen und die höchsten seit 2011 darstellten. Die einzeln teuerste Katastrophe waren die Erdbeben im Februar in der Türkei und in Syrien, wobei die übrigen versicherten Schäden jedoch größtenteils auf schwere konvektive Sturmereignisse in den USA zurückzuführen waren. 

In diesem Jahr gingen fast ein Dutzend Versicherungsgesellschaften in Florida in Konkurs, während andere aufgrund gestiegener Hurrikanschäden und Prozesskosten ihren Versicherungsschutz einschränkten. Versicherer lehnen es ab, Policen in hurrikangefährdeten Gebieten von Louisiana abzuschließen; ein Versicherer hat die Ausgabe neuer Policen in Kalifornien gänzlich eingestellt. Ein weiterer Versicherer hat seinen Versicherungsschutz auf Häuser entlang der Ostküste, die von Überschwemmungen bedroht sind, sowie auf Häuser in westlichen Bundesstaaten, die von Bränden bedroht sind, eingeschränkt. 

Weitere Faktoren

Das menschliche Bestreben, immer Größeres und Besseres zu schaffen, treibt Innovationen im Bereich anspruchsvoller Gebäudekonzepte sowie den Einsatz neuer Technologien und Materialien im Bauwesen voran. Doch das Ausreizen der Grenzen ästhetischer und technologischer Konventionen birgt auch größere Risiken und führt zu komplexeren Schadensersatzansprüchen gegen die für das Bauvorhaben verantwortlichen Unternehmen, wenn etwas schiefgeht. Ob es sich nun um traditionelle Materialien handelt, die auf neue Weise eingesetzt werden, oder um komplexe Elemente wie versenkbare Dächer – je stärker Unternehmen von Standardverfahren abweichen, desto größer ist das Risiko, das sie eingehen.

Der Arbeitskräftemangel auf dem Baumarkt in Verbindung mit Lohninflation, einer hohen Nachfrage nach Bauprojekten und stetig steigenden Materialkosten trägt insgesamt zu höheren Reparatur- und Ersatzkosten bei. Bei den Waren und Dienstleistungen, die die Schadensfälle in der Privatversicherung antreiben, waren die Preissteigerungen außergewöhnlich hoch.

Die Inflation treibt die Kosten weiter in die Höhe.McKinsey and Companyschätzt, dass allein die Inflation die Schadenskosten der US-Sach- und Haftpflichtversicherung im Jahr 2021 gegenüber dem historischen Niveau um 30 Milliarden US-Dollar erhöht hat.

In unserer zunehmend klagefreudigen Gesellschaft machen laut Sedgwicks Geschäftsbericht die strittigen Schadensfälle bis zu 50 % oder mehr der Gesamtsumme aus, die für alle Schadensfälle gezahlt wird. EinerUmfrage von Carlton Fields zufolge sind die Ausgaben für Sammelklagen acht Jahre in Folge gestiegen, was auf zwei wesentliche Faktoren zurückzuführen ist: Die Schadenssummen werden immer höher, und immer mehr Unternehmen sehen sich mit solchen Klagen konfrontiert. 

Vorbereitung auf und Abwendung von Schadensfällen: Bewährte Verfahren

Da Rechtsstreitigkeiten einer der Hauptkostenfaktoren bei Haftungsansprüchen sind, empfehlen wir Unternehmen, stets der Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten Vorrang einzuräumen. Sollte es dennoch notwendig werden, kann ein geeigneter Partner mit einem soliden Managementprozess für Rechtskosten sicherstellen, dass die Anwälte jeden einzelnen Fall gemäß den vereinbarten Richtlinien bearbeiten und abrechnen. Eine strenge Aufsicht über die Anwälte ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung.

Es ist wichtig,bereits vor dem Eintreteneiner Katastrophe über Partnerschaften, Richtlinien und Notfallpläne zu verfügen, um Betriebsunterbrechungen zu minimieren und die Wiederherstellung sowie die Lösung der Probleme zu beschleunigen. Diese Pläne sollten auf dem neuesten Stand sein, regelmäßig getestet werden und die branchenüblichen Best Practices für Katastrophen wie Hurrikane widerspiegeln, wobei sie gleichzeitig mit den spezifischen Bedingungen Ihres Versicherers in Einklang stehen müssen. Stellen Sie sicher, dass Ihre Partner sowohl über technisches Fachwissen als auch über eine serviceorientierte, von Empathie geprägte Herangehensweise verfügen.

Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, haben sich nachhaltige Baupraktiken – wie beispielsweise eine auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz ausgerichtete Planung sowie die Auswahl von Materialien aus lokaler Produktion, die erneuerbar und recycelbar sind – als proaktiver Ansatz etabliert, um die negativen Auswirkungen der Bauindustrie auf die Umwelt zu verringern. Durch den Einsatz wassersparender Armaturen, Techniken zur Regenwassernutzung sowie Maßnahmen zur Abfallvermeidung und zum Recycling können Unternehmen Ressourcen schonen und das Abfallaufkommen reduzieren.

Mit Blick auf die Zukunft

Da wir uns weiterhin mit der Realität konfrontiert sehen, immer umfangreichere und komplexere Schadensfälle zu bearbeiten, müssen Versicherer die aktuellen Trends im Auge behalten und ihre Strategien entsprechend anpassen. Der Aufbau der richtigen Partnerschaften, eine frühzeitige Vorbereitung sowie der Einsatz proaktiver Maßnahmen zur Schadensminderung und zur Prozessführung sind entscheidend, um unserer Verpflichtung nachzukommen, uns um die Menschen zu kümmern, denen wir dienen.

Einige dieser Ideen wurden in Ausgabe 22 des Magazins „edge“ von Sedgwick vorgestellt.